Alle lachten, bis gezischt ward. Im Hintergrund flüsterte einer durchdringend:
„Tatsächlich hat er die Calzolai gemacht, aber nicht die kleine Lisa, sondern Tisa, ihre Mutter. Er verwechselt das; er hält sich für einen Zeitgenossen der Lisa.“
„Sein Irrtum bleibt nicht ohne Folgen,“ erklärte Botta. „Die Baldelli —“
Und er erzählte von der Baldelli.
„Sie wird rechtzeitig gefühlt haben, daß er ein Korsett sans-ventre trägt,“ meinte Nutini. Lola lächelte ihm in die Augen. Sie dachte an die Zeit, als er bei ihr gegen Pardi arbeitete. Jetzt, angesichts einer neuen Gefahr, verbündete er sich ihm. Sie schüttelte leise den Kopf, und indes sie das Gesicht nach der Bühne wandte, kehrte sie innerlich zu ihrem Eigensten heim. Von Klatschen und Geschrei aufgeschreckt, mußte sie sich besinnen; die Begehrlichkeiten, die Intriguen um sie her sahen sich wie Spuk an, geschahen kaum auf festem Boden.
Valdomini kam und unterhielt sie während der Pause. Er teilte in der Loge Händedrücke aus, die mit Hingabe erwidert wurden. Als er fort war, ahmte Botta ihm nach.
„Ich brauche wohl Sie und mich nicht anzustrengen und aufzuregen, Contessa. Sie wissen, wer ich bin und daß ich bereit bin.“
„Und,“ fuhr Nutini fort, „meinen Bart behalte ich, wenn jetzt auch alle rasiert sind. Ich behalte ihn aus Pietät für die Vielen, die ihn geliebt haben. Manche sind schon im Jenseits und lieben nur noch Gott, der ihren armen Seelen gnädig sei.“
Er bekreuzte sich, ließ in seinem ausgemergelten Gesicht den Mund stumm betend auf und nieder steigen und schielte dabei auf seine Nasenspitze. In das Gassenjungengelächter trat Pardi; seine Augen stießen, mit bösem Mißtrauen, nach jedem. Beim ersten Wort gegen Valdomini:
„Vergessen Sie nicht, daß er mein Freund ist!“