Laut:

„Ich hasse dich!“

Von dem Schall erschrak sie, begann zu zittern, und Tränen kamen.

„Verzeih mir! Sieh, wie ich elend bin! Es waren die höchsten Freuden, als ich dich hatte.“

Und sie sah sich, einsam und doch mit ihm, dem Freund, in der reinen Ruhe des vorigen Sommers. Sie spürte beim Lesen seinen Atem auf der Schläfe und hielt ihm, bevor sie es wendete, das Blatt hin, damit auch er es beende. Unvermittelt trat in dieselben Räume der andere. Ihr Atem vermischte sich mit dem des andern, ihre Glieder verschränkten sich mit seinen. Sie atmete schwer; sie warf das Bild der Lust von ihrer Brust hinab, sie streckte die bittende Hand aus nach dem der Liebe.

„O! wärest du da. Rette mich! Komm!“

Es tagte, und sie schluchzte noch:

„Komm!“

III

Am Nachmittag erinnerte sie sich, daß Claudia empfange. Sie haßte Claudia nicht: fast war sie ihr ein Trost, die Gefährtin, die derselbe Mann schwach gemacht hatte und quälte. Sie fühlte sich von Claudia beneidet und mit schlechtem Gewissen geliebt. Sobald sie sie sahen, durchforschten Claudias Augen sie eifersüchtig. Dann hatte sie, in Gegenwart Fremder, diesen Ton, der um Harmlosigkeit bat; und kaum waren sie allein, ward sie fast demütig. „Arme Claudia! Als ob du vor mir dich niedrig fühlen müßtest. Vor mir!“