Wie Claudias Salon ihr geöffnet ward, schnellte dahinten vom Teetisch etwas Schwarzes, Gelbes Zappelndes auf sie zu.

„Ah! Guidacci.“

Der kleine Priester trat zwischen sie und die anderen, tanzte vor Freundlichkeit, zwang seine großen kranken Hundeaugen, an den ihren festzuhalten, — indes seine nervigen Hände nicht wußten, ob sie ihre Hand drücken oder durch die Luft fahren sollten, sein gelenkiger Mund alle die engen gelben Falten seines Gesichtchens auf und niederriß und sein Atem, mit dem Geruch von Kellerluft, ihr ins Gesicht fuhr. Plötzlich:

„Wen habe ich Ihnen mitgebracht, Contessa?“

Und er machte ihr Platz. In diesem Augenblick bekam der Teetisch einen kopflosen Stoß, eine Tasse fiel über Claudia, die aufschrie, — und Lola, die sich bleich werden fühlte, sah in ein Gesicht, das bleich war und zuckte. Sie fand keinen Atem, ein inneres Stammeln geschah: „Arnold, Arnold —“; und ihr Herz, mochte sie selbst ohne Regung stehen, beschrieb die weite, zitternde Gebärde des Armen, der nach langem Darben und Nöten des Todes an einer Straßenwendung auf seinen Wohltäter stößt. Sie dachte: „Nun ist alles gut. Jetzt weiß ich, warum ich solche Nacht bestehen mußte. Ich habe ihn gerufen, er ist gekommen. O! jetzt wird sich’s leben lassen.“ Ganz hingegeben war sie der Güte des Schicksals; ihr Leben flößte ihr, wie einen neuen Atem, unverletzliches Vertrauen ein; — und wie sie wach gerufen ward, war’s die eine Minute gewesen, in der Claudia sich das Kleid getrocknet hatte. Claudia umarmte sie.

„Das ist wohl eine angenehme Überraschung, Lolina?“ — flüsternd, mit zaghafter Andeutung, daß sie verstehe. Die Augen des Priesters lächelten fiebrig; er preßte die Mundwinkel und fand den Platz nicht für Lolas Stuhl. Sie suchte, in plötzlicher Hast, ihr Tuch hervor und machte sich über Claudias Kleid her.

„Er hat eine Tasse umgeworfen? Ja, ich erinnere mich, er warf immer Tassen um . . .“

Alle lachten, erlöst und gutherzig. Unvermutet fing Lola, als entschädigte sie ihn für das Gelächter, auf deutsch an:

„Und wo waren Sie seitdem? Haben Sie kürzlich meine Verwandten gesehn? Ich hatte einen Brief von Tini: sie ist jetzt Schauspielerin . . . Meine kleine Cousine wollte Diakonissin werden und ist jetzt Schauspielerin,“ wiederholte sie den beiden anderen; und deutsch weiter: „Was für Schicksale eigentlich! Wer alles hätte voraussehen können!“

Claudia bemerkte, tief erstaunt: