„Zu jeder Stunde, Contessa, bei Tage und bei Nacht. Sie wissen, ich schlafe nicht.“

„Ach, Sie können nicht schlafen?“ — und weil sie dadurch Arnold noch hielt: damit er nicht ohne ein Zeichen, ein Wort der Hoffnung verschwinde, ließ sie sich ausführlich Guidaccis nervöse Erscheinungen berichten. Plötzlich:

„Ich habe nachgedacht. Um halb fünf bin ich morgen bei Ihnen.“

Schnell, mit einem vollen, ganzen offenen Blick, reichte sie Arnold die Hand.

„Nun weiß er, daß ich ihn liebe!“

Sie erstaunte, zu Hause und allein, wie sehr sie ihn liebte. Sie hatte das nicht gewußt. Ihre Liebe war wie ein Gebet gewesen zu einem Gott, an dessen Dasein man nicht fest glaubt. Die Wirklichkeit ihrer Liebe überwältigte sie. Arnold war gekommen! Ihr Rufen in der Nacht, ihr „Komm!“ — ein Wort nur in die Luft, ein qualgeborenes Wort in dunkle Luft: und er war gekommen; das Wunder war geschehen. Viel größer war’s, als auf den ersten Blick! Welten mußten verlassen und gefunden werden, damit sie beide sich treffen konnten. Er kam aus solcher Weite, daß er wohl durch luftlosen Raum kam. „Wie ganz verloren war ich schon!“ Und dennoch: da er nun da war, war’s also bestimmt? War zuletzt ganz selbstverständlich? — „und indes ich so vieles litt, in denselben Stunden, ward in ihm der Gedanke an mich immer größer, immer größer —, bis er kommen mußte? . . . Alles war gut? Die Qualen waren gut? Es ist zum Weinen und zum Lachen! Nein: zum Staunen . . . Und jetzt weiß er, daß ich ihn liebe. Und ich sitze hier in Sicherheit und Ruhe.“

An Guidaccis Tür war die kleine Pierina. Ihr Bruder müsse gleich kommen. Aber sie zögerte, sein Arbeitszimmer für Lola zu öffnen.

„Ein Herr ist drin.“

„Es tut nichts,“ sagte Lola; und:

„Ah! Sie!“