Sie reichten sich die Hände und blieben einander gegenüber, ohne ein Wort. Lola fühlte, daß Pierinas schwermütig spöttischer Blick schon begriffen habe. Sie wandte sich zu ihr, um nach ihren neuesten Zeichnungen zu fragen, und sah in ein rasch verschlossenes Gesicht. Die schwarzen Brauen unter dem harten schwarzen Haarkamm zogen sich zusammen, finster und einsam; der schwere Mund stand fühllos etwas offen; in der grobkörnigen Haut sah eine kleine weiße Narbe aus wie die Verletzung eines Steines. Das Mädchen neigte fragend das Ohr hin. Endlich, beglückt, sich aufschließend: ihre Zeichnungen — o ja! Und sie ging, sie zu holen.

Sie saßen zu beiden Seiten des Schreibtisches, eines geistlos geschnitzten Möbels mit vielen Frauenbildnissen darauf. Die Photographien warfen sich in einer Garbe die Wand hinan; unter dem Porträt des Papstes hing eine weit ausgeschnittene und lächelte, wie er. Hellgrüne, schmalblätterige Gerten stiegen aus Töpfen lustig durch den engen Raum; und zwischen ihnen am Boden lagen leere Strohflaschen übereinander gestürzt. „Ist es nicht ein reizendes Zimmer?“ dachte Lola. „Darin sitzen nun wir beide, ganz allein. Die Sonne scheint herein. So ist es gekommen.“ Sie sah nichts mehr; die Augen standen ihr voll Tränen. Rasch verließ sie den Stuhl und kehrte sich nach dem Fenster.

„Warum so stumm?“ fragte sie, ohne ihr Lächeln ihm zuzuwenden.

„Contessa —“ mit ungefälliger Stimme.

„Lassen Sie den albernen Titel!“

Sie sah ihn an. Auch er war aufgestanden; er verneigte sich und wich ihrem Blick aus.

„Ich bin froh, Sie unter Freunden, so glücklich zu finden.“

Sie schluckte angstvoll hinunter. Dann lächelte sie stärker. Natürlich! er glaubte ihr noch nicht. Zweifelmütig und unsicher war er, wie je. „Ich werde ihn zur Vernunft bringen müssen. Diesmal ist’s meine Sache allein.“

Da kam die Kleine mit den Zeichnungen; dann Guidacci. Er entschuldigte sich inständig, zählte seine Beschäftigungen her, kehrte immer zu einer österreichischen Baronin zurück, die ihn Florenz erst kennen lehre. „Besser, als aus den Büchern.“ „Ach ja,“ — und Lola fiel es auf, daß in diesem priesterlichen Arbeitszimmer kaum ein Buch lag. Guidacci schickte seine Schwester mit Aufträgen fort; er sprach mit ihr nicht lauter, sie mußte ihm auf den Mund sehen und verstehen. Dann holte er den Plan der Kirchenfassade hervor und, mitten in den Erklärungen, die alten Stoffe. Dazwischen: er war seit heute ganz gesund; er nahm Brom, und alles war gut.

„Etwas Wunderbares! Wenn ich’s früher gekannt hätte!“