„Haben Sie gewußt, wie es mit mir stehe?“ fragte Lola tags darauf. „Wußten Sie, daß ich Sie erwartete? O, ich wagte wohl nicht zu hoffen; — aber daß ich Sie doch erwartete?“
Er wehrte ab.
„So stark fühlte ich mich nicht. Ich nahm nicht an, daß mir über Sie noch Macht zustände. Ich glaubte mich von Ihnen verurteilt und unterwarf mich. Habe ich Ihnen nicht gesagt, daß ich niemandem zumute, mich sehr lange zu ertragen? Schon längst ertrage ich selbst mich bloß noch, weil ich muß. Und ich verstehe nur schwer, wie andere sich nicht satt, in Jahrzehnten nicht satt bekommen, wie sie sich herumführen, sich immer wieder den Leuten anbieten, ihre seelischen Gebärden immer wieder abspielen mögen vor Menschen, denen sie schon bekannt, von denen sie einmal durchschaut und erledigt sind. Was hatten Sie noch in mir zu entdecken?“
„Daß Sie mein sind,“ sagte Lola.
Er atmete auf.
„Ja. Daß ich nicht mehr mir gehöre: nicht mehr diesem nie abgelösten Tyrannen, den man endlich nicht ohne Empörung sehen kann. In Qual und Kampf hat man ihm gedient, mit dieser Kunst, die Verherrlichung ist des Ichs; — und nun, welche Erlösung wird man des Herren Herr. Er dankt ab; frei wählt man einen anderen. Man liebt.“
Von Scham verwirrt, sah sie zu Boden.
„Ich verdiene es nicht.“
„Aber Hoffnung?“ — und er lächelte erstaunt. „Hatten Sie mich nicht schwach gesehen? Und — andere so viel stärker?“
Sie sah, mit ihrem hastig bittenden Blick, daß er errötet war. „Wie ich ihn liebe für diese Scham!“