Aber da sie ihn fassungslos erschreckt sah, stieß sie die Tür auf und war bei ihm.

„Nein! nein! Wie könnte ich’s ertragen! Du glaubst doch nicht? Ich sagte das, weil ich hier so glücklich war. Nimm meinen Fächer! Und daß du ihn mir morgen zurückbringst! Nicht später als morgen!“

Von ganz fern winkte sie nochmals. Er erwartete es nicht mehr, stand versunken und atmete das Parfüm ihres Fächers. Lola ließ sich auf den Sitz fallen und schloß die Augen. Die schwere Luft des Tunnels ängstete sie. Ihr war’s, sie führe dem Verfall entgegen: ihrem und seinem.

Aber sie trafen sich, wie früher, in Vorstädten, bei entlegenen Landwirtshäusern; schlenderten Hand in Hand durch Schafherden, kleine Abendbäche entlang und lasen im Schatten von Klostermauern, vor gewellten Olivenfeldern, in Dichtern. Manchmal überschlug Lola eine Seite und wartete, daß Arnold nach Pardi frage. „Hat er ihn vergessen? Er nimmt unsere Freiheit hin, als sei sie verdient. Aber wem verdanken wir sie? Wenn Pardi zurückkäme —. Wenn er mich zu sich riefe —.“ Und etwas Zorniges hob sich auf in ihr gegen diesen Träumer und sein über dem Buch gesammeltes Gesicht.

Der Herbsthimmel hatte sich weich und trübe um die Stadt geschlossen: da kam Pardi.

„Wie wir es nun wieder schwer haben,“ klagte Arnold. Nach ihrem unzufriedenen Schweigen sagte Lola:

„Wir wenigstens machen es ihm nicht schwer. Er darf sich trösten, wie er mag, für die Sarrida.“

Arnold merkte nichts.

„Ich bin ihm begegnet; mir klopft, ich gestehe es, immer ein wenig das Herz: als ob ich nahe an einen Raubtierkäfig hinträte. Dennoch sehe ich ihm gern zu, gestatte mir bei seinem Anblick oft auch eine leichte Sehnsucht, — wenn er sich so bewegt und spielen läßt, immer ein Ziel vor Augen, immer gespannt und bereit. Ich erkenne dann in ihm den Mars von der Treppe der Uffizien.“

„Das ist wohl interessant?“ — ganz leise; und ausbrechend: