„Warum bist du krank geworden? O! ich bin eine Verbrecherin. Wollte doch Tullio mich umbringen, mich endlich umbringen! Ich habe dich gesehen, Lola, als eine Erscheinung: ich darf dir nicht sagen, wann. Du erscheinst mir oft: ich darf dir nicht sagen, wann.“
„Bin ich dir erschienen, Claudia? Ach, laß das! Es wird nicht wahr sein; denn ich glaube nicht, daß meine Seele von mir fortschweifen kann. Sie sitzt immer über sich selbst gebeugt. Du verstehst das nicht. Hat er dir Aufträge gegeben?“
„Nur, daß er sich sehr um dich ängstet. Er hat es nicht gesagt: ich sah es. Aber nun wirst du genesen, Lolina. Ich will ihm sagen, wie gut du aussiehst.“
„Tu’ es nicht! Sage ihm, ich werde sterben . . .“
Sie sann müde. „Er verdient es. Wenn ich tot bin, wird er bereuen. Dann wird er mir alles geben wollen, als lebte ich. Jetzt liebt er mich nur so, wie man eine Tote liebt. Vielleicht gibt es ein Jenseits? Dort sehe ich seiner Liebe zu und freue mich meines Todes.“
„Ja,“ sagte sie, „ich wünsche mir sehr, zu sterben. Niemand weiß, wie gut das wäre.“
Claudia kauerte am Boden und haschte mit den Lippen nach Lolas Hand.
„Du bist weich und unschuldig, meine Claudia; ich habe dich gern. Aber geh’ nun, ich bitte dich, — und sei unbesorgt. Ich werde wohl nicht sterben: es wäre zu viel Glück. Nur träumen darf ich. Vorhin träumte ich, und da war’s, als sei noch nichts geschehen, von allem Schlimmen noch nichts.“
Noch wachte sie, und fühlte sich doch ganz deutlich aus dem Meer steigen: über große flache Steine und auf den Strand. Er war nun leer; und das schwarze Laubdach, unter dem sie hinging, blitzte oben weiß vom Mond. Sie wußte sich allein auf der Großen Insel: die Blumen im Mondlicht sahen aus wie Seelen, — und da erinnerte Lola sich, sie sei gestorben. Dies war das Jenseits; und doch lag es auf Erden, und wer sie sehr liebte, konnte sie einholen und es ihr sagen. Sie vermochte nicht zu sprechen, aber sie erriet, was drüben geschah: erriet seine Sehnsucht und lauschte lächelnd übers Meer hin . . . Nun war er da. Noch fand er sie nicht, sie aber spähte schon bis in sein Herz und sah es bereit, mit ihrem auch den Tod zu teilen. Sie dachte: Hier bin ich! Komm! — und da war er unter ihrer Palme; ihre Hände streiften sich, seine Wärme rann ihr ins Herz und erweckte sie. Ein Schrei: sie schrak auf.
Er liebte sie! Das Glück dehnte in ihr seine großen Flügel. Weich ward sie gehoben, schloß wieder die Augen und ließ sich tragen. „Nun bin ich seiner gewiß, — da er mir bis hierher gefolgt ist. Nun liebt er mich mehr als sein Leben.“