„Eine furchtbare Sache! Ich trete aus San Lorenzo und höre schießen. Ich laufe; nur durch jene Straße brauche ich zu laufen, und da bin ich. Laßt mich machen!“ — er wehrte den Polizisten mit seinem erregten gelben Händchen, — „ich kenne die Dame.“
Und er raffte die Soutane, kniete hin und legte das Ohr an Claudias Herz. Alle bückten sich; die Herbeigelaufenen ringsum hielten den Atem an.
„Tot,“ entschied der Priester, mit einer abschneidenden Geste. Lola bedeckte mit der Linken die Augen. Die Rechte stieß sie unsicher ins Leere.
„Ich will fort. Den Wagen!“
Man hatte darin den Mörder fortgeschafft. Guidacci schickte nach einem andern. Inzwischen nahten Eilschritte; und wie Lola die Hand von den Augen nahm, schrak sie zusammen vor den Vermummten der Misericordia. Sie hoben die Tote geräuschlos auf ihren federnden Karren, und schon machten die beiden hohen gelben Räder die erste Drehung. Lola wollte sich nachstürzen, aber Guidacci hielt sie nervig zurück.
„Nur einmal unter das Verdeck sehen! Waren denn ihre Augen geschlossen? Sicher?“
Sie hatte vor sich immer Claudias erstarrtes Auge und an seinem Rande die letzte Träne, die es hatte weinen dürfen.
Ein Wagen war da. Guidacci setzte sich zu ihr. Er zappelte noch und sah und hörte nur sich.
„Wäre ich bei Ihnen gewesen: ah! Contessa, Ihre unglückliche Freundin lebte noch. Mein Freund hier,“ — und er griff in die Tasche — „hätte sie beschützt. Und zu denken, daß es hätte sein können. Denn ich ging ernstlich mit der Absicht um, heute die Kirche schon um halb ein Uhr zu verlassen! Fragen Sie Bussoletti, unsern dicken Erzpriester!“
„Lassen Sie sehen!“ sagte Lola, und nahm den Revolver in die Hand. Sie spielte mit der Sicherung, sah nach den Patronen.