„Den also muß man gebrauchen, — damit nicht der andere ihn gebraucht.“

Erst kurz vor der Ankunft gab sie, aufschreckend, die Waffe zurück.

„Bleiben Sie hier! Danke: ich brauche keine Hilfe. Das Blut an meiner Hand? Es ist nicht der Rede wert. Aber ich möchte ruhen.“

Sie verband sich selbst; nur niemand sehen! — und fand nun, ausgestreckt, hinter ihren Lidern alles wieder, und ihre Adern pochten unaufhörlich die Worte: „Den also muß man gebrauchen, damit nicht der andere ihn gebraucht.“

Sie warf sich auf dem Polster umher.

„Claudia hat ihm gehört, wie seine Sache; und weil sie sich widersetzte, hat er sie zerbrochen. Er durfte es; er geht dafür mit ihr unter. Und so werde auch ich mit dem untergehen, dessen Sache ich bin . . . Ich will nicht! Wer hat auf mich ein Recht? Alles ist Lüge. Ich bin als mein eigen geboren, und kein Mensch konnte je auf mich ein Recht erwerben. Ich bin in seiner Schuld? Ich habe gewußt, was mir mit ihm bevorstand? Ich habe ihn unglücklich gemacht? Ach! das alles zählt nicht, wenn es um mich selbst geht. Ich will nicht so gerecht sein! Mag er zusehen! Er hat mir schlimme Jahre gemacht, wir sind quitt. Ich will nicht in die Tiefe denken, wo seine Schuld aufhört und alles Schicksal wird, das man stumm weiterschleppt. Ich will leben! Ich habe Claudias Tod gesehen: er war schimpflich. Ich will leben!“

Ihr war schwindlich von dem ungeheuren Flügelrauschen in ihr. Plötzlich fuhr sie empor; und aufgestützt, die Lippen geöffnet, mit einem irren Lächeln lauschte sie.

Nein. Schwer seufzend sank sie zurück. Es war Pardi.

Er trat ein; sein Schritt war lastend; und er ging, ohne sie anzusehen, zum Fenster. Mit dem Rücken nach dem Zimmer:

„Es steht schlecht: ich fühle, daß ich heute kein Glück habe. Bereite dich auf das Landleben vor.“