„Laß uns langsam gehen: jetzt, da wir immer, immer denselben Weg gehen werden.“

Diese armen Straßen links vom Fluß waren voll Volks, das wimmelnd, zur Harmonika, Guitarre und dem Fettgeruch aus den Pfannen der Gassenköche, das Fest der Wahl beging. Ihr Kandidat war so gut wie gewählt; in den engen Schaufenstern stand sein Bild; sie stellten Kerzen davor; die Schenkwirte hängten Lampions hinaus. Die Glocken läuteten das Ave, als feierten sie den Sieg der Armen.

„Wie?“ sagte Arnold. „Längst ist mein ganzes Leben auf dich zusammengezogen. Alles hab’ ich an dich gewendet, alles Denken, alles Leiden, dessen ich fähig bin. Das soll irgend einer mir wegtragen, es aus dem Leben schaffen dürfen? Wozu habe ich gelebt, wenn du verschwunden bist? Alles konnten Geschick und Menschen uns auferlegen, jeden Verzicht, das ganze gehetzte Dasein, das wir gehabt haben: aber wir müssen leben. Zusammen leben oder zusammen sterben.“

„Zusammen leben,“ sagte Lola, mit rascher Zuversicht.

„Durch mein Herz fließt längst nur noch dein Blut. Mit deinen Stimmungen, die mich unbewußt mitergreifen, deiner Unruhe, die auch mich verzehrt, und deiner süßen Liebe, an der ich trage, fließt mir stündlich dein Blut zum Herzen. Wer dich trifft, trifft mich: und ich will leben. Heute hab’ ich erfahren, daß ich’s will.“

„Auch ich. Wärst du nicht gekommen, ich hätte ihn getötet! . . . Aber du bist gekommen. Zum zweitenmal hast du mich aus der Ferne gehört, als ich dich beschwor. Und diesmal brachtest du die Tat mit!“

Sie sann: „Die Tat, an die ich nicht glaubte, die ich von mir wies, und nach der mich im Grunde immer verlangt hat. Die verachtete Tat, die alles löst.“

Da sagte er:

„Mir ist es nun, als hätte ich mich längst nach dieser Tat gesehnt.“

. . . Sie langten an. Der leere Platz mit seinen kleinen alten Häusern, um den riesigen, bröckelnden Kirchengiebel geschart, stand fahlblau in Dämmerung. Sie gingen die geschweifte Mauer zu Ende; schon neigten sich über Lola die stillen Bäume ihres Geliebten. Arnold schob die Pforte zurück: — da entstürzte der Gasse drüben eine schreiende Fratze.