„Wir telegraphieren ihr ab.“

Sie telegraphierten auch nach München. Gugigls waren auf dem Lande; und zwei Tage später, auf der kleinen Station zwischen Kufstein und Rosenheim, jauchzte den Ankommenden ein ganzer Trupp festlich erregter Sommerfrischler entgegen. Frau Gugigl und die Baroneß Utting schrien in einer Tonlage mit der Lokomotive. Die eine schüttelte dabei ihre offenen Haare, die andere ihre Zöpfe. Die Baroneß trat sofort an die Damen heran, zeigte auf ihr Bauernkostüm und sagte stolz:

„I bin d’Oberdirn.“

Gugigl schwenkte noch, als Frau Gabriel schon vor ihm stand, auf die Zehen gehißt, sein grünes Hütchen. Er war rotfleckig, hatte geblähte Nüstern, und seine Kinnhaare wehten wirr. Die kleine Schwester seiner Frau ließ, als sie Lola und Mai erblickte, seinen Arm los; ihr Geschrei brach ab; und mit großen Augen, ganz entgeistert, sah sie den beiden eleganten Damen entgegen. Gwinner küßte ihnen die Hand und führte von unten sein freundlich freches Lächeln im Kreise umher, als hätte er einen Witz gemacht.

Frau Gugigl rühmte zuerst ihren Lodenkragen.

„Da schaut, wie er naß ist. Regenschirme gibt’s bei uns nicht, meine Lieben, und wenn man so daherkommt wie ihr . . .“

„Aber was ist denn hier los?“ fragte Lola, da sie gleich hinter dem Bahnhof in ein bäurisches Gedränge und Geschrei, in Jahrmarktsgerüche und Blechmusik gerieten.

„Das ist das Gaufest.“

Und zu der gespannt horchenden Frau Gabriel:

„Ja, auf französisch, Tante, kann ich das Wort nicht sagen. Die Bauern zeigen ihr Vieh und sich selbst her, in den alten Trachten.“