„Hier kennen wir nur eine Macht: Ihren Witz,“ sagte Lola und stand auf. „Besonders um halb zwölf, wenn wir müde sind.“
Gwinner spreizte, wie um Gnade, die Hände aus, indes sein Gesicht von demütiger Eitelkeit glänzte. Man trennte sich. Lola sagte zu Arnold:
„Wir sind abgelenkt, aber morgen möchte ich Sie noch etwas fragen.“
Als Mai endlich auf einem Bügeltisch ihre Nickelflaschen und das übrige für die Toilette hatte ausbreiten können, war es nach neun, und Lola ließ sie allein. Aus der Küche kam ungewohnt scharf Frau Gugigls Stimme. Dann zeigte sie selbst sich, ohne zu laufen, wie gestern, wo sie keinen langsamen Schritt getan hatte: ganz ohne Ausgelassenheit und Leichtigkeit, mit lockeren, etwas staubigen Haaren, in die Länge gezogenem Gesicht, spitzerer Nase und in einer alten Matrosenbluse, an der auch sie selbst kaum etwas Künstlerisches entdeckt hätte. Sie rief ein recht lautes „Grüß Gott!“, versuchte, indes sie Lola das Frühstück vorsetzte, hochgemut drauflos zu schwatzen, von den andern, die alle schon draußen seien, bis auf Arnold natürlich, — und zog sich, im Augenblick, wo sie den sorglosen Ton schlechterdings nicht mehr halten konnte, mit einem Gelächter über sich und ihre Pflichten, in die Küche zurück.
Kurz darauf trat Arnold durch die innere Tür. Lola konnte noch bemerken, daß er die trübe, aber gefestete Miene getragen hatte, unter der er wohl mit sich allein war. Sobald er jemand gewahrte, ward sie erschüttert. Man sah, er sei nicht mehr frei. Er streckte die Hand aus und zog sie fluchtartig wieder zurück; sprach vom Wetter, von den schlechten Bauernbetten; unterstützte, als Lola sie erwähnte, Mais Beschwerde über den Mangel an Bequemlichkeit; tat es mit unvermittelter Heftigkeit und vertrat Forderungen an das Landleben, die er sichtlich nur als Gesprächsstoff zusammensuchte. Wie Lola ihm nicht half, ging er peinvoll umher, blieb vor Bildern stehen, überflog verstohlen den Tisch.
„Ich werde meiner Cousine sagen, daß Sie frühstücken möchten.“
„Bitte, lassen Sie’s. Ich verspäte mich zu häufig. Nein bitte, das Brot und der Honig genügen mir. Ich bitte im Ernst; es würde mich in Verlegenheit setzen . . .“
Es schien ihr, er habe vor allem die größte Abneigung gegen ein Zusammentreffen mit Frau Gugigl.
„Nicht wahr?“ sagte sie lachend, „am Morgen nimmt man es einander manchmal gradezu übel, wenn man sich begegnet.“
„Gott sei Dank: Sie kennen es! Ich habe Sie also nur noch allein zu lassen.“