„Leidenschaft? Sie ist der Wille zu uns selbst. Sie treibt uns, ein Etwas, das unsere Sache ist, aus unserem Blute kommt, gegen die Welt zu behaupten: eine Idee, ein Schicksal oder eine Kunst . . .“
„Ach ja,“ — mit einem spöttischen Seufzer; „ich singe. Ganz im Ernst. Oder habe doch gesungen. Jahrelang bin ich einer alten Italienerin nachgereist, die einzig noch die gute Schule hatte. Jetzt habe ich sie verloren und bin ratlos.“
„So fühlen Sie italienisch?“
„Nein. Warum? Es handelte sich um die Stimmbildung. Aber ich sang auch deutsch . . . Ich kann nämlich, da ich beide Rassen in mir habe, die germanische und die lateinische, mit beiden fühlen — wenigstens ungefähr . . . Nun ja, das Ungefähr muß genügen. Zwar — Sie sagten vorhin, Sie kennten keine rechte Gemütlichkeit? Das geht wohl auch mir so. Wo ich mich hing —“
Sie verschluckte das „hingeben“.
„Wo ich mich gehen lassen möchte, muß ich Kritik üben. Das Temperament meiner mütterlichen Rasse schätze ich, wenn ich in Deutschland bin. Bei jenen aber sehne ich mich oft nach der deutschen Tiefe.“
„Das heißt, daß Sie ein wenig allein sind?“
Er nickte, schmerzlich und befriedigt: wie jemand nickt, wenn sein Kerker sich öffnet und ein Leidensgefährte eintritt.
„O! Wenn ich erst singe, wird man mich verstehen, im Norden und im Süden.“
„Ich kann Ihnen mitteilen, daß Kunst sehr einsam macht.“