Ich kann ja schon spinnen,
Mir schwört ja kein Finger
Und tut mir nicht weh!
Als sie aufhörten, setzten unten auf dem Wege die Musikanten ein, in deren Gefolge das Brautpaar mit den Polterabendgästen nach der Linde zog.
Die Brautjungfern unter der Linde gingen dem Zuge etliche Schritte entgegen, verneigten sich vor der Braut und überreichten ihr feierlich die Brautdieße.
Sophie dankte den Jungfern und wandte sich, während die Musik wieder einsetzte, freudestrahlend ihrem Bräutigam zu, um mit ihm den Tanz um die Linde zu beginnen. Sie behielt dabei die Dieße in der Hand und durfte sie auch bei den weiteren Tänzen, die sie tat, nicht aus der Hand lassen. Denn so wollte es der alte Brauch.
Aber eine schwere Regenwolke, die über das Dorf hinging und fast den Wipfel der Linde streifte, machte dem Tanzen ein jähes Ende. —
Eine sausende Nacht war vergangen, ein trüber, „schlackeriger“ Morgen gekommen. Durch die kahlen Bäume ging ein tiefes Rollen und Rauschen. Am Himmel zogen graue, schwere Wolken, und zeitweise prasselte ein Regenschauer hernieder.
Mutter Drewes seufzte, sah immer wieder nach den Wolken und jammerte: „Ach, Kind, das ist kein gutes Hochzeitswetter!“
Aber sie hatte nicht viel Zeit zu klagen. Die Hochzeitsgäste trafen rasch nach einander ein, mußten bewillkommt und bewirtet werden, da konnte sie an nichts anderes mehr denken.