Die Werkstatt war bis auf das Unverrückbare gänzlich aus der Stube verschwunden, eine lange Tafel, — frische Buchenbohlen, mit weißer Leinwand überdeckt —, ging durch die ganze Stube, und die Helferinnen des Hauses trugen große weiße Kümpfe auf, denn die eintreffenden Gäste mußten der Sitte gemäß zunächst mit „kalter Kaschale“[33] bewirtet werden. Für die Kinder war in der ausgeräumten Kammer, deren Tür offen stand, eine gleiche Tafel hergerichtet.

Unter den Gästen war auch ein alter Bauer aus dem Braunschweigischen, der Halbhufner Drewes. Der winkte mit seinem großen, breitkrämpigen Hute und rief: „Ist denn kein Korn im Hause?“

Die Frauen rannten und brachten eine mit schönem, reinem Roggenkorn gefüllte Mulde herbei, und der Braunschweiger schlug seinen weißen Mantelrock mit den großen gelben Knöpfen auseinander, daß alles rot leuchtete, nahm eine gehörige Hand voll, streute sie mit kreuzenden Bewegungen über den Kopf der Braut und sagte: „Daß dir Korn und Kinder in Hülle und Fülle wachsen mögen und du niemals Mangel leidest am täglichen Brote!“ —

Die alten Pistolen und Karabiner krachten, die Mädchen verteilten Rosmarinzweige, und als das „erste Schauer“ läutete, wurde allgemach mit der Vorbereitung zum Traugange begonnen.

Nach dem Herkommen mußte die ganze Hochzeitsgesellschaft in zwei Züge geordnet werden: in Brautzug und Bräutigamszug. Der Brautzug, den die Frauen und Mädchen bildeten, wurde geführt von Vater Drewes, als dem Brautvater. Er war der „Leier“ (Leiter), wie man sagte. Der Bräutigamszug, der sich aus den Männern und Burschen zusammensetzte, wäre demgemäß vom Bräutigamsvater zu führen gewesen, an dessen Stelle nun Martens Ohm trat, ein Bauer von der andern Seite der Siebenberge.

Auch die Musikanten teilten sich, um zur größern Hälfte dem Brautzuge und zur kleinern dem Bräutigamszuge voran zu marschieren.

Für die Reihenfolge auf dem Hinwege zur Kirche galt die alte Regel:

„Je näger der Briut,

Je wegger hinderriut.“[34]

Es läutete das „zweite Schauer“, — und mit lieblich gerötetem Gesicht trat die Braut unter die Gäste: in schwarzem Tuchkleide, weißer Schürze und weißem Mulltuch, gekrönt mit dem Myrtenkranze, von dem hinten zwei handbreite seidene „Fleier“[35] bis auf den Kleidsaum herabhingen; in der Hand den Zitronenstrauß[36] mit herabhängendem weißen Taschentuche.