Der Bräutigam, in schwarzem Tuchrock, seidener Weste und großem Zylinder, einem Sträußchen von Rosmarin und Myrten auf der Brust, trat ihr feierlich entgegen, reichte ihr die Hand und kehrte wieder zu der Männergruppe zurück.
Es läutete das dritte Schauer, — und von Stolz und Rührung fast überwältigt, stellte sich Vater Drewes an die Spitze seines Zuges; er schritt unmittelbar vor der Braut her.
Die Musikanten schmetterten den Hochzeitsmarsch, die Burschen schossen ihre Karabiner ab, die Brautjungfern blickten züchtig darein, und so bewegten sich die beiden Züge an den alten Eichen vorüber der Kirche zu.
Weiber, Männer, Kinder aus dem Dorfe, die nicht zur Hochzeit geladen waren, standen neugierigen Auges am Wege, oder sie hatten sich auf dem Kirchhofe, nahe der Kirchentür versammelt, um sich von hier aus mit dem Zuge in die Kirche zu drängen.
Bei der Kirchhofspforte wechselten die Musikanten ihr Stück und bliesen jeden Zug für sich einmal um die Kirche herum. Sie hielten aber die Schallöcher ihrer Instrumente sorgfältig von der Kirche ab, — galt es doch zu verhüten, daß die schmetternden Marschtöne in die Kirche schallten. Das wäre nicht gut, sagte man. —
Als der Brautzug auf die Seite kam, wo der wilde Hagedornstrauß stand und der schon bemooste Grabhügel des alten Oelkers zu sehen war, schlug Sophie zum erstenmal das Auge auf und richtete es nach dem Grabe. Sie zuckte heftig zurück, erbleichte tief, faßte sich aber schnell und ging hastiger hinter dem Vater her.
Als der Bräutigam an die Stelle kam, gingen seine Augen ebenfalls nach dem Grabe hinüber. Und siehe, es durchzuckte ihn gerade so, ja es riß ihn förmlich zurück.
Niemand schien diesen Vorgang bemerkt, niemand in dem Trubel und Gedränge nach dem Grabe hinüber gesehen zu haben. Die einen trachteten nur, die Brautleute recht genau zu begucken; die anderen strebten in die Kirche, um einen guten Platz zu bekommen.
Der Rundgang um das Gotteshaus war beendet, die Musik brach ab, und der Brautvater führte seinen Zug durch die alte Kirchtür, der Bräutigamsohm den seinen durch den untern Eingang. Mitten in der Kirche begegneten sich beide Züge wieder; sie machten eine gegenseitige Verbeugung, worauf der Bräutigam zu seiner Braut trat und mit ihr allen voran auf das Chor und um den Altar schritt — mit den Schultern dicht aneinander gedrängt, daß keine Lücke mehr zwischen ihnen bliebe. — —
Machtvolle Orgeltöne brausten durch die offene Tür, und es wurde mit hallenden Stimmen gesungen: „Bis hierher hat uns Gott gebracht.“