— „Oder der Satan!“ murmelte eine Stimme auf dem Grabe unweit der Eingangspforte. Der seltsame Kauz, der draußen geblieben war, hockte hinter dem Hagedornstrauche auf dem Rande des Grabes.

Ein seltsamer Kauz fürwahr, in einem seltsamen, schier kunterbunten Aufzuge. Rock und Hose von städtischem Schnitt, aber größtenteils aus allerlei aneinander und übereinander gesetzten verschiedenfarbigen Lappen bestehend. Durch eine rote Bedientenweste, an der die Knöpfe fehlten, schien die zottige Brust. Der wulstige Kopf war unbedeckt, die Füße ohne Strümpfe und Schuhe, — aber die mitleidige Natur hatte sie mit einer dicken Borke umgeben. An der Seite hing ihm ein schmutziger Beutel, aus dessen breiter Öffnung er jetzt allerlei große und kleine Stücke Brot und Kuchen nahm und um sich herum auf den Grabhügel legte, wobei der lange Haarwulst wild über ein aufgedunsenes bläuliches Gesicht herabfiel.

Während nun aus der offenen Kirchtür laut und feierlich die Stimme des Predigers ertönte, kam von dem Gestrüpp an der Kirchhofsmauer ein ängstliches Pfeifen. Der strolchhafte Bursche drehte den Kopf herum und sah mit grinsendem Behagen zwischen den Gräbern ein Wiesel laufen, das eine wackelnde Ratte vor sich hertrieb. Er schlug sich aufs Knie und lachte. Dann winkte er dem Dohlenschwarme, der, um den Turm flatternd, den Vorgang zwischen den Gräbern ebenfalls wahrgenommen hatte, und rief aus heiserer Kehle: „Die Ratte bin ich, das Wiesel ist er!“ Begierigen Auges stand er auf, um die abscheuliche Jagd besser zu sehen. Aber als das Wiesel ihn bemerkte, blitzte es wieder zurück, während die Ratte an der Mauer entkam.

„Kirk! Kirk! Es kriegt dich doch!“ schrie er und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum. Dann guckte er an dem Turme hinauf; dann horchte er mit schiefem Kopfe auf den Ton, der aus der Kirche hallte, und auf einmal fing er selbst zu predigen an: „Die Welt besteht aus Wieseln und aus Ratten. Ja, ja, meine Lieben, das tut sie, die Welt. Aus Wieseln und aus Ratten. Das Wiesel ist in der Kirche, die Ratten an der Mauer, die Ratten. Und wenn das Wiesel tüchtig gebetet und gesungen hat, das Wiesel, dann, dann kommt’s ’raus und frißt die Ratte, die nicht gebetet und gesungen, aber brav im Keller gewurzelt hat, die Ratte, die. Kirk! Kirk! Meine Lieben in dem Herrn! Und das Fräulein kommt, das Fräulein mit der goldenen Krone und dem dünnen Bauche, das wollte erst die Ratte nehmen, das Fräulein; aber als das Wiesel die Ratte gefressen hatte, das Wiesel die Ratte, da nahm es das Wiesel, weil es auch viel, viel schöner war, das Wiesel, als die Ratte. Kirk! Kirk! Und da gingen sie zusammen in die Kirche, das Wiesel und das Fräulein, und alles ging mit, und da sangen sie: ‚Bis hierher hat mich Gott gebracht.‘“ — —

Er sang mit würgender Stimme, bis ein häßlicher Husten ihn zum Aufhören zwang. Nun zog er einen Brannteweinsbuddel aus dem Beutel und trank so begierig, daß man es in ihm ordentlich glucksen hörte. Der seltsame Gast blickte am Turm hinauf und nickte den Dohlen zu, wie man lieben, alten Bekannten, sieht man sie nach längerer Zeit zum erstenmal wieder, zuzunicken pflegt.

Auf den Gräbern begannen plötzlich die dürren Blumenstengel heftig zu zittern, die Trauerweiden fuhren gleich zornig geführten Peitschen über die Hügel und hölzernen Kreuze, und ein tausendtöniges Flüstern, Wispern und Rauschen ging über den Kirchhof dahin, in der Luft zusammenfließend in eine einzige hohltönende Geisterstimme. Ein Regenschauer prasselte hernieder.

Der Kauz blieb ruhig auf dem Grabe sitzen, nickte in die schwarzen Wolken hinauf, trank und trank, stellte die Flasche mitten auf das Grab, nahm ein hingelegtes Kuchenstück, auf dem große Regentropfen standen, und begann hastig zu kauen.

Indes hatte die feierliche Handlung in der Kirche ihr Ende erreicht. Die Orgel erbrauste wieder; es wurde gesungen: „Hab Lob und Ehre, Preis und Dank ...“ Drei mächtige Karabinerschüsse krachten dampfaufwirbelnd aus der Kirchentür, und die ungeladenen Zuschauer drängten sich vor und neben dem Hochzeitszuge auf den Kirchhof.

Die Züge ordneten sich nach der umgekehrten Regel:

„Je wegger hinderriut,