Es hatte sich mehr und mehr aufgehellt, das Sturmgetöse fast ganz nachgelassen, auch der Regen völlig aufgehört; aber durch die herbe Luft waren dichte Linien gezogen, unhörbar sauste die „Schottspule“ über die Erde, eine unendliche weiße Decke webend. Nur unter dem Rötchenbaume drüben zeigten sich noch ein paar Streifen grauer Grasspitzen.

Da klopfte es am Fenster des wüsten Hofes, und gellende Rufe drangen ins Haus.

„Jesus Christus, allbarmherziger Heiland!“

Marten schnellte auf und sah erschrocken um sich. In seinen Augen lag etwas Zerschmelzendes und etwas Trauriges, das sich um so deutlicher ausprägte, als das Gesicht fast bleich geworden und der harte trotzige Zug daraus gänzlich verschwunden war. Er stürzte hinaus.

Vor ihm lief die Totenkathrine und deutete mit allen Zeichen des Schreckens nach dem Kirchhofe.

Um die Kirchenecke fegte der Sturm, und der wildbewegte Hagedorn bog sich tief über die Gräber.

Das Weib schlug sich den Oberrock von hinten über den Kopf, stellte sich mit dem Rücken gegen den Sturm und wies nach dem Grabe.

Etwas wie eine menschliche Gestalt lag darauf, steif und starr. Sie war zugedeckt mit der großen weißen Flockendecke.

„Nun sieh, ob du mit diesem Hügel auf der Brust leben kannst,“ sagte die Totenkathrine mit harter Stimme.

Marten stürzte neben dem Grabe nieder, tastete nach den Händen des Bruders und schluchzte laut auf. — —