„Oh, oh, Steffen!“ rief das Mädchen mit komischem Bedauern, „ist dir was in die Sonntagsstraße gekommen?“
„Ja, ja!“ stöhnte er, mit aller Kraft bemüht, den lächerlichen Hustenausbruch niederzuwürgen.
Die Katze strich sich mit der Pfote über die Nase und prustete. Da drohte ihr die Mutter und sagte: „Na, Kättchen, willste uns das Wetter verderben?“
Aus der Kirchstraße ertönte in diesem Augenblick ein starkes Wagengepolter. Meister Drewes trat ans Fenster, lachte und rief: „Der Marten fährt doch immer drauf los wie ein heiliges Ungewitter, als hätte er zwei Baronsfüchse vorm Wagen.“
Steffen wollte antworten, mußte aber immer noch husten.
Sophie stand ungeachtet der bannenden Miene des Vaters schon wieder an der Tür, um ihren häuslichen Obliegenheiten nachzugehen, und als Steffen sich endlich die Augen blank gewischt hatte, sah er das Mädchen nicht mehr. Ganz erbärmlich wurde ihm zu Mute; ja, es däuchte ihn, als wäre die Stube plötzlich ganz dunkel geworden. Er versuchte noch einmal, vorsichtig zu trinken, lobte darauf das Gebräu über die Maßen, legte dann beide Hände ausgestreckt auf die Knie, schielte alle Augenblicke nach der Tür und wurde, trotzdem Meister Drewes immer für neuen Gesprächsstoff sorgte, allmählich still und nachdenklich.
Der Alte warf der spinnenden Frau einen lächelnden Blick zu, stand auf und sagte: „Wie ist’s, Junge, willste dir nicht mal unsern Viehstand ansehen?“
„Ja, wenn’s Euch recht ist, Drewes Vetter!“ Da stand er auch schon bei der Tür.
Drewes meinte, er sähe nach der Inschrift, die das obere, von tulpenartigen Blumen umrahmte Fach der Tür enthielt, und sagte: „Die Schrift rührt noch von meines Vaters Bruder her, der dies Haus gebaut hat. Er hatte auch die Stellmacherei erlernt, konnte aber eigentlich ebenso gut zimmern und mauern und vielleicht noch besser malen. Die Tulpen, die du an der Tür siehst, hat er alle mit eigener Hand gemacht.“ Drewes legte den Zeigefinger auf die Inschrift und las laut: „Heinrich Friedrich Jürgen Drewes und Anna Katharina Dorothea Ossenkopp. Anno 1782.“
„Und die Inschrift hat er auch selber gemacht,“ fügte der Meister hinzu.