Oder Regen angespreiet,

Oder ein gut Wichte angeleiet:

Das tun dir eine Winnemus und eine Spinnemus:

Das heißt der Gott und der heilige Christ,

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.‘“

Nun ging es Reihe für Reihe. Fieke hatte einen hellen Kopf und hielt die Wortfolge überraschend schnell fest, so daß sie zum Erlernen des ganzen Spruches nicht mehr Zeit gebrauchte, als die Mutter zum Anrühren und Backen des Speckpfannkuchen. Sie bewahrte auch bei dem allen einen großen Ernst; nur als die Worte „Winnemus“ und „Spinnemus“ kamen, mußte sie unwillkürlich lachen.

Da richtete der Schäfer den Finger hoch und sagte: „Das sind die Geheimnisse, die wir nicht verstehen und nicht zu verstehen brauchen. Es kommt zuletzt auch nicht, gar nicht auf die Worte an, sondern auf den Glauben. Der Gesunde muß seinen Glauben auf den Kranken übertragen, und der Kranke muß die Gesundheit im Glauben hinnehmen.“ Dann stand er auf und machte drei Kreuze und sagte: „Nun geb ich’s dir, nun bewahre es und gib es nur an einen Mann weiter, der würdig ist. Geh’ hin, meine Tochter und tu, wie du gelernt hast.“

Es war ein feierlicher Augenblick, als er so sprach und Fieke ihm mit etwas zaghafter Stimme ihren Dank sagte.

Am andern Morgen in aller Frühe trat der Schäfer noch einmal an das Krankenlager und wiederholte die Baute.

Aber es war, als hätte sie ihre Wirkung schon verloren, als der Alte die Gemarkung des Dorfes verließ. Bereits um die zehnte Morgenstunde mußte Fieke herüber kommen und die Baute wiederholen. Es kostete sie eine große Überwindung, denn es ging ihr stark gegen die Natur, und gern wäre sie dem Rufe ausgewichen. Doch ließ sie deshalb nicht einen Augenblick länger auf sich warten.