Hier ist kein fester Stand ...“
Mit sicherem Gedächtnis sprach er von dem alten ergreifenden Gesange einen Vers nach dem andern und stockte nur, um dem schwergehenden Atem Zeit zu lassen.
Schon hatte er den zehnten Vers beendet und eben mit dem letzten angefangen, als Meister Drewes in der Tür erschien und hinter ihm seine Tochter ängstlich hereinsah.
Oelkers nickte und betete den Vers zitternden Tones zu Ende.
Die Eingetretenen falteten die Hände und blieben in tiefer Ergriffenheit an der Tür stehen. Sophie empfand den hohlen, zitternden Klang der Stimme mit leisem Schauder.
„Amen!“ hauchte der Kranke und winkte mit einer schwachen Bewegung der Hand.
„Henderk! Naber!“ rief Drewes schmerzbewegt und wischte sich mit beiden Händen über die Augen.
Auch Sophie konnte ob des jammervollen Anblicks ihre tiefe Bewegung nicht verbergen; sie wandte sich zur Seite und trocknete mit der Schürze die hervorbrechenden Tränen.
Der Kranke nickte ihnen mit mühevollem Lächeln zu und rang um jeden Atemzug. Plötzlich bäumte sich etwas in ihm; er stemmte sich mit Aufbietung seiner letzten Kräfte auf die Hände, hob den zitternden Kopf, sah Drewes mit einem fast zornigen Blicke an und wiederholte, während seine Mienen einen bittern Zug annahmen, den zweiten Vers des alten Sterbegesanges:
„Was ist mein ganzes Wesen,