Eine Weile lag der Alte in tiefer Erschöpfung still. Sein Gesicht war gänzlich eingefallen, sein Bart in langen Stoppeln gewachsen. Plötzlich kam es wie ein neues Leben in ihn.
„Wir wollen alles in Ordnung bringen, Junge,“ flüsterte er und winkte mit der zitternden Hand nach dem Fenster, „geh’ und sag’ Drewes Vetter, wie’s um mich steht. Er soll gleich kommen, hörste, und Fieke mitbringen. Hörste, Junge, das sagste ihm. Wir wollen alles in Ordnung bringen.“
„Ja, Vater!“ schluchzte Steffen und wandte sich nach der Tür, zögerte aber wieder.
„Geh’, Junge, geh’,“ drängte der Vater, „manchmal ist ein Augenblick ein Scheffel Weizen, manchmal ein Hof mit vier Pferden.“
„Ja, Vater,“ schluchzte Steffen nochmals, und bald tönte vom Hofe her das Dröhnen seiner eilenden Tritte und das Gekreisch der auseinander stiebenden Gänse.
In der engen schwülen Stube herrschte eine dumpfe Stille, nur unterbrochen durch die ächzenden Atemzüge des Kranken. Eine einsame Fliege kam schräg vom Balken hergeflogen, kroch matt über die Decke, kletterte an der kalten welken Hand empor, putzte sich schnurrend das verschlafene Köpfchen.
Eine späte Fliege zeigt an, daß noch Geld im Hause ist. Unwillkürlich erinnerte sich der Bauer dieser alten Volksmeinung, und nicht ohne ein leises Wohlgefallen betrachteten seine Augen die kleine Gesellschafterin, die von Tausenden noch allein übrig geblieben war. „Ach, ich bin auch so ein Übriggebliebener; aber nicht lange mehr, und wir beide werden sein, wo die andern sind,“ dachte er und machte eine leise Bewegung.
Die Fliege erschrak und flog wieder empor nach dem dämmernden Gebälk.
Er blickte ihr nach. „So wird meine Seele auch emporfliegen,“ sagte er leise, „und es wird bald sein. Lieber Heiland, du wirst ihr die Himmelstür offen halten!“ Krampfhaft faltete er die blutleeren Hände und betete mit oftmals aussetzender Stimme:
„Ich bin ein Gast auf Erden,