Marten schrie zornig auf, lief, ohne den Seelsorger anzusehen, über den Hof hin und verschwand hinter dem Hause.
„Es ist ’n eigener Charakter,“ entschuldigte Drewes, „er läßt sich nicht gern ins Herze sehen. Sie müssen’s ihm nicht verübel nehmen, Herr Pastor.“
„Er tut mir recht leid, der arme Mensch,“ sagte der ehrwürdige Herr und verabschiedete sich von Drewes.
Am folgenden Tage hatte der Kotsasse Henderk Oelkers vom „wüsten Hofe“ ausgelitten.
Als der letzte Augenblick gekommen war, zog Meister Drewes seinem alten Freunde das Kopfkissen weg, um ihm das Sterben zu erleichtern, und öffnete dann schnell das Fenster, damit die Seele ungehindert hinausfliegen könne. Auf Geheiß der Mutter nahm Sophie den einsam in der Fensterecke stehenden Rosmarinstock und trug ihn zur Tür hinaus ins Freie — „damit er nicht mitstirbt,“ erklärte die Mutter.
Unterdessen ging Steffen und holte die Annekathrine aus dem Armenhause herbei, deren Amtes es war, die Toten zu waschen und „anzuziehen“. Als sie ihr Werk an dem Verblichenen getan und Hemd und Bettlaken für sich zum Mitnehmen eingewickelt hatte, wurde der Leichnam von den Söhnen mit Unterstützung der Nachbarn auf die Bodenkammer getragen, zu der man durch eine zweite Tür in der Stubenwand und eine hinter ihr aufwärts führende kurze Treppe gelangte.
Man trank einen Krug Branntewein, und Mutter Drewes schnitt die Namenszeichen aus der Wäsche des Verstorbenen, denn man glaubte, daß er sonst im Grabe nicht ruhen könne, bis er einen Verwandten nachgezogen hätte.
Als die Nachbarn von dannen gegangen waren, trugen die Brüder das Bettstroh hinaus auf den Hof und schlugen die Bettstatt ab. Marten war wortkarg und tief verbittert; Steffen, durch den Branntweingenuß angeregt, allerlei Worte machend, die bei dem Bruder keinen Widerhall fanden.
Nachdem die Fenster einen Tag und eine Nacht offen gestanden, trug Steffen einen großen Backtrog, den er aus Drewes Hause geholt hatte, an die Stelle der abgeschlagenen Bettstatt, und Sophie buck nun den Begräbniskuchen. —