Schon waren alle Töpfe und Teller durch ihre emsigen Hände gegangen, blitzblank gescheuert standen sie da in Reih und Glied, so daß Steffen aus dem Danken und Bewundern gar nicht herauskam. „Herrgott ja, es geht doch nichts über eine ordentliche Frau im Hause; es ist wahrhaftig wahr, Fieke!“ beteuerte er und verschlug kein Auge von ihrer sich emsig rührenden Gestalt.
Gutmütig erwiderte sie ab und zu seinen Blick und jetzt sagte sie: „Ja, Steffen, es ist auch nichts, wenn ein Mann eine Frau ist; das ist mir ganz zuwider, ganz!“ Und sie stieß das letzte Wort heraus, als wäre ihr ein plötzlicher Ärger gekommen.
Da steckte Drewes den Kopf aus der Tür: „Fieke! Steffen! Fieke! Macht schnell, der Herr Pastor will mit euch reden!“
Sophie ließ den Eimer fallen, den sie eben scheuern wollte, und Steffen strich sich voller Aufregung am Halskragen herum.
Mitten auf der Treppe begegnete ihnen Marten, sichtlich in schmerzlicher Aufwallung. Er streifte dicht an Sophie vorüber, sie empfand seine Berührung, wurde blaß und rot und zauderte einen Augenblick, als wollte sie den Burschen ansprechen. — Doch der Vater drängte.
Als Sophie mit Steffen über die Schwelle der Stubentür trat, eilte Marten laut aufschluchzend auf den Hof hinaus. Die Gäule standen noch mit hängenden Köpfen vor dem Wagen. Er sah sie nicht. Der Walnußbaum warf ihm ein paar Nüsse um den Kopf, und ein Rudel Gänse lief mit vorgestreckten Schnäbeln nach den zerplatzten Schalen, zog sich aber bald enttäuscht zurück.
Nach einer Viertelstunde trat der Geistliche, von Drewes vor die Haustür geleitet, den Heimweg an. Er sah sich um und bemerkte Marten, wie er am Hause stand und das Gesicht auf den an die Wand gelegten Arm gepreßt hielt. Er trat auf ihn zu und rief teilnahmsvoll: „Marten!“
Der Bursche verharrte in seiner Stellung. Durch die schlanke Gestalt ging ein heftiges Zucken, und man hörte ein tiefes Aufschluchzen.
„Der Zustand seines Vaters geht ihm nahe,“ sagte Drewes voll Bedauerns.
Der Geistliche ging näher an ihn heran und klopfte ihm auf die Schulter: „Lieber Marten, ja, du hast wohl deinen Vater recht lieb? Gott tröste dich und stehe dir bei, daß du dich in seinen Willen schicken lernst. Schäme dich nur der Tränen nicht, die du um einen braven Vater weinst. Solche Tränen ehren den Sohn. Wenn’s Gott dem Herrn gefällt, wird er deinen Vater wohl recht bald zu sich nehmen; aber es muß dir ein Trost sein, mein Sohn, daß es ein seliges Hinnehmen sein wird. Und also mußt du dich aus deinem Schmerze erheben und sagen: ‚Gottes Wille geschehe‘ ...“