„So schön habe ich Fieke ja noch gar nicht singen hören!“ rief Steffen freudestrahlend. „Ei nicht ’mal, so ’ne Stimme! ’s geht ordentlich rührend.“
Drewes waren über dem Lauschen die Augen feucht geworden. „Das Lork hat sich in den letzten Tagen ganz umgekrempelt, es ist nichts mehr mit ihr anzufangen. Ich meine immer, es wäre unsere Fieke gar nicht mehr. Der Kuckuck mag’s wissen. Zuletzt habe ich doch nur die eine Tochter; — da greift einen die Besorgnis immer leichter an.“
„Na, das wird jetzt schon wieder anders werden, Andreisvetter,“ beruhigte Steffen, „ich habe mich in der letzten Zeit wegen der vielen Scherereien bald gar nicht mehr um sie kümmern können. Das wird’s wohl sein, das wird sie wohl verdrossen haben. Ja, das wird’s sein!“ Und er stand hastig auf. „Aber jetzt will ich gleich ’mal mit ihr reden, und ich denke auch, daß wir nun doch bald Anstalt zur Hochzeit machen.“
Drewes faßte ihn beim Arm, hielt ihn zurück und sagte mit Stocken und Zögern und einem Tone voll herzlichen Mitleids: „Junge, rede heute lieber nicht mit ihr; sie soll sich erst wieder besinnen. Sie wird etwas krank sein, besorge ich. Komm lieber mal ’n andern Tag wieder, das ist besser.“
Steffens Gesicht wurde etwas lang. „Das ist ja aber ... i, da kriege ich ja ’n ordentlichen Schrecken — krieg’ ich ja. Aber ich muß ihr doch wenigstens ’mal die Tageszeit bieten.“
Indem trat das Mädchen unter der „Wipprauge“ aus der Tür. Ihre Schürze war mit allerlei Holzstümpfen gefüllt, deren weiße Schnitt- oder Hauflächen oben herausschimmerten.
„Wir haben sie gekränzt mit Rosmarin ...“ sang sie, während sie sich von der „Wipprauge“ dem Herde zukehrte.
Da rief Steffen aus dem Hintergrunde: „Gu’n Dag, Fieke! Ich bin hier, ja, wir kennen uns bald gar nicht mehr.“
Das Lied endete in einem leisen Aufschrei. Der eine Schürzenzipfel entglitt ihrer Hand, und ein Teil der Stümpfe und Späne fiel zu Boden. Sie sah nicht danach, sondern ergriff hastig den hängenden Zipfel und floh auf die Diele.
Als Steffen unter die „Wipprauge“ kam, waren nur noch leise forteilende Tritte zu vernehmen.