Ich horchte auf bei diesen Worten und sah ihm mit großer Erwartung zu, als er eine Schrift, die er zur Seite liegen hatte, in die Hand nahm und entfaltete.
»Wir haben eben heute Briefe empfangen«, sagt’ er dabei, »Deine Sache angehend, welche darthun, daß die, so zuvörderst das Urtheil darüber zu fällen haben, anderen Sinnes worden sind, wie es mit Dir zu halten sei, als es sich zuvor anließ. Auf dringendes Ansuchen des Bischofs, dem unsere Abtei untersteht, hat das General-Capitel unseres Ordens neuerdings verwilligt, daß unser Convent Dich losgebe, und Dich des Gelübdes, einst für Dich gethan, entbinde.«
Als ich diese Worte hörte, überkam mich eine Freude,
als dränge ein heller Sonnenstrahl plötzlich in mein von Traurigkeit ganz überschattetes Gemüth.
»So soll ich frei sein, ehrwürdiger Vater?« fragt’ ich mit Pochen meines Herzens. »Ist es das, was Ihr sagtet – frei?«
Ihm war aus der Hast, mit der ich Solches redete, die Unruhe meiner Seele wohl offenbar. Mit Verwunderung und auch, als hätt’ er weiseren Sinn mir zugetraut, sah er mich an und gab mir weiter Bescheid: »Auch soll von dem liegenden Gute, einstmals Deinem Stamme zugehörig, auf Verwendung der bischöflichen Gnade und mächtiger Freunde so viel durch Lehenshand Dir wiederum zufallen, als zur ziemlichen Erhaltung ritterlichen Standes für nöthig erachtet wird; wie Solches die Schriften hier besagen und urkunden.«
»So bin ich nicht fürder hier zu bleiben gehalten?« fragt’ ich wieder; denn mir war’s nicht anders, als träumt’ ich nur.
»Allein Deine Wahl, Diether!« sprach der Abt, »bestimmen forthin Dein Bleiben oder Gehen. Möge Gott, Jüngling, Dich dazu erleuchten, daß Du Dich recht berathest.«
Da konnt’ ich mich nicht länger enthalten, eilte auf ihn zu und, vor ihm auf die Kniee fallend, ergriff ich mit Ungestüm seine Hände, küßte sie und sprach: »Dank, dank, lieber Vater, für die Kunde, die mir von Euch geworden ist! Sie macht mich wieder lebendig. Ein schwerer Muth war über mich gekommen, als sollt’ ich solcher Märe nimmer froh werden.«
»So steht Dein Wunsch und Wille noch allerdinge hinweg von uns?« fragt’ er mit Strenge und doch auch, als lebte, da ich so beweglich und nahe zu ihm