Zehntes Capitel.
In der Welt.
Schwerlich zog Jemand wanderlustiger seine Straße an jenem Novembertage als ich, nachdem ich Maulbronn verlassen hatte. Es mochten seitdem zween Tage verstrichen sein oder drei. Allgemach waren mir die schweren Gedanken vergangen; die lang entbehrte Freiheit, die Erfüllung sehnlicher Hoffnung und heute das klare röthliche Sonnenlicht, das die Welt beschien, machten mir das Herz froh und leicht. Munter schritt ich hindann. War ich nicht auf dem Wege nach Speyer, allda vom Bischof weitere Vollmacht zu erhalten für meinen ritterlichen Stand, und gedacht’ ich nicht von dort aus mich an Graf Eberhard zu wenden, seinen Rath zu erbitten, wie ich mich weiter hielte, und winkte mir dann nicht noch ein anderes, ersehnteres Wiedersehen?
Weil mein Blick mit Lust um sich schaute und des freien Umblickes mit Freuden genoß, so hatt’ ich der Stunden unterm Wandern nicht geachtet, wie sie dahin gegangen waren. So brach der Abend herein, und ich wußte noch nicht, wo ich die Nacht zur Herberge liegen sollte; Stadt oder Dorf waren nirgends ringsum zu
sehen. Mein Mundvorrath war zu Ende, und ich begann die Müdigkeit meiner Glieder zu fühlen.
Indem sah ich durch die Abenddämmerung über ein blaches Feld ein Feuer leuchten, das am Fuße eines Hügels angezündet war, der die Flamme etlichermaßen vor dem Winde schützte.