Stadt und sah der Menschen Weise aller Orten, nach ihrer Müh’ und Plage, Tugend und Kunst.
Ich nahm der Armuth in den Hütten wahr, wie sie um die Nothdurft des Lebens das ganze Leben hindurch ringet und die Geduld dazu nur von der Gewohnheit lernet und von der Hoffnung, daß sie mit dem Tode erledigt wird. Ich klopfte auch an das Thor mancher Burg, manches stolzen Hauses und manches gastlichen Klosters. Weltliche Herren, kühn von Thaten und klug von Rath, Geistliche frommen Wandels lernt’ ich kennen, wie auch ihr Widerspiel. Auch sah ich in deutschen wie in welschen Landen der wohlgezogenen Maide genug, die schöne Huldgestalt zierte und edle Sitten. Da geschah es mancher Orten, daß man mich nicht allsofort fürder ziehen ließ, sondern mich zu weilen drängte, frohen ritterlichen Festen beizuwohnen. Was nur den Augen lustsam zu schauen war und den Ohren zu hören, wonach das Herz gelüstete; das war mir da zum Genieß bereit. Aber wenn ich alsdann auch, daß ich nicht unhöfisch erschiene und blöden Sinnes, mein Vermögen bewies in derlei Spielen, wie es der edelbürtigen Jugend geziemt, so war doch mein Gemüth nicht dabei, und man sah mich selten froh.
Sonderlich in Florenz, der Toskaner Stadt, ward ich wohl aufgenommen und nach Ehren als ein Gast gehalten, der dahin in ein edles Haus gewiesen war. Ich verblieb in dieser hochberühmten Stadt zur Lenzzeit zwo Wochen lang, vielleicht auch drei. Dort pflegen sie mächtig des edlen Gesanges, und was die besten Meister solcher Kunst und zierlicher Rede sind in Welschland, die sind allda zu Hause; ja, so hoch angesehen ist die Kunst bei männiglich, daß auch Fürsten
und Herren zur Kurzweil nicht zusammenkommen, es sei denn, daß sie mit Liedern und Gedichten mancher Hand sich erfreuen. So wollten sie wohl auch von mir ein deutsches Lied oder Spruch. Ließ ich sie dann derlei hören, so konnten sie sich nicht genug verwundern, zuvor die Frauen und Maide, warum ich Junger nicht fröhlichere Weisen brächte, und fragten, aus was Ursach das geschähe. Ich wollte nicht ungefüge sein, sie unbeschieden zu lassen und sang:
Ihr fraget mich,
Warum mein Lied
In Maienluft nicht heitrer klinget,
Da uns der Lenz der Wonne viel beschied
Und Rose sich um Rebe schlinget.
So frag’ auch ich:
Mein Herz, o gib,
Warum Du traurig so, die Kunde:
So manche Gunst Dir ja zur Hage blieb,
Willkomm’ne Gab’ beut jede Stunde.
»Wenn eine Wolke nur
Der Sonne Licht verdunkelt,
Glänzt auf der weiten Flur
Kein Halm, der noch im Thau erfunkelt.
Schwebt auch in Freuden sehr
Ein Herz: ist ihm Frau Minne
Ungnädig: immer mehr
Wird dann ihm sorgenhaft zu Sinne!«
Darnach ließen sie ab, mich ferner zu fragen. –
Sobald es angieng, schickte ich mich zum Urlaub von Florenz und trachtete eilend gen Rom. Als ich angelangt war in dieser ersten Stadt der Christenheit, die der Apostelfürsten Gebeine hegt und vieler Heiligen, die da gemartelt wurden, konnt’ ich doch mein Herz