Mir fiel es auf, als ich an seiner Seite gieng und er so redete, wie freundlich der Klang seiner Stimme ward und wie mild sein Angesicht drein sah gegen vorhin.
Der Raum seiner Klause, in die wir traten, war niedrig und eng. Sie hatte außer der Thüre nur eine kleine Fensteröffnung zu Luft und Licht. Schmucklos waren die Wände aus rohen Balken aufgerichtet: nur über der Thür ein Crucifix und zwischen ihr und dem Fenster, das in der schmalen Seitenwand angebracht war, unter einem hölzernen Überdach das geschnitzte Bild unserer lieben Frau mit dem Schwert im Herzen. Vor demselben stund ein eichener Tisch, kunstlos zugehauen und ein Baumstumpf als Sitzschemel. Die dem Eingang gegenüberliegende Wand der Hütte ward vom Gestein gebildet, das senkrecht abfiel. Darin war
eine Höhlung zu sehen, die zum Herde diente mit einem Sims, darauf weniges Kochgeräth stand. Unten davor lag Holz bereit. Die Hälfte aber dieser Felsenwand wich zurück zu einer Nische, die ganz schicklich als eine Kemenate zur Lagerstatt gelten konnte. Sie verengte sich nach hinten und schien tief in das Gestein hineinzudringen. So leicht das Alles zu übersehen war, so konnt’ ich’s doch nur mit Mühe wahrnehmen; denn das Abendroth, welches zum Fenster hineinblickte, war im Versinken, und der Raum fast dunkel.
Aber bald lenkte mein Wirth mein ganzes Aufmerken auf sich und sein Thun. Er tummelte sich geschäftig wie ein Schaffner für mich, und je rauher zuweilen seine Rede war, um so sorgsamer mühte er sich.
»Setz’ Dich da, Meister Irregang«, sagte er halb spottend, halb ernstlich, indem er in die glimmenden Herdkohlen blies und dürres Reisig darüber legte, »setz’ Dich da auf den Klotz, der mir Bank, Stuhl und Schemel zugleich ist. Weiß nicht, welches Sitzes Du in Deinem Convent gewohnt bist; hätt’st Dir wohl einen weicheren gegönnt zur Rast. – Doch nein!« fuhr er nach kurzer Weile fort, als das helle Feuer knisternd zu flackern anhub, »nein, junges Blut! rück’ hier heran an die Herdwärme. Denn es läßt, als ob Dich’s fröre. – Heilige Mutter Gottes, wie bist Du durchnäßt! Hab’s gar nicht so bemerkt, welche Unbilden Dir zartem Knaben das Unwetter gethan hat. Wart’, wie Brun Dein pflegen wird.«
Damit gieng er nach hinten und brachte mir von dort trockne Kleider. Er war mir selbst behilflich, mein naß Zeug abzuziehen, hängt’ es seitwärts gegen den Herd, half mir in’s trockene Gewand und breitete
mir möglichst nah dem Herde, von Moos und mit Hilfe von wollenen Decken, die er hervorholte, in der Nische, wo er seine Lagerstatt hatte, ein Pfühl, darauf ich meine ermatteten Glieder gar gemächlich ausstrecken konnte.
Ich dankt’ ihm für all’ seine Lieb’; ich fühlte, wie wohl sie mir that. »Ja,« sagte er, indem er mir mit Wein, den er vorgelangt hatte, meine brennenden Füße wusch, »das glaub’ ich gern, daß dem Täublein nun sanfter ist; mit all’ seiner Kunst und des Abts Vollmachten dazu sollt’ es sich wohl wenig trösten, wenn jetzt Brun nicht hinausgelangt und’s in seine Arche genommen hätte.«
Daß er sich mit dem Erzvater Noah verglich, machte mich lachen; aber es gieng mir nicht von Herzen. Vielmehr fühlt’ ich, wie ich roth ward, weil seine Rede mich an die ungefüge Antwort erinnerte, mit der ich ihm draußen begegnet war. Sie that mir leid und ich sagt’ ihm das.
»Wie heißest Du?« fragt’ er mich drauf und hängte den Kessel über dem Herdfeuer ein.