Scheint aber erst die Sonne frei,
Dann singt er and’re Melodei!
Nicht, Bruder? Ah, ob er’s wohl kann auf Saitenspiel?«
Damit strich er mit der Gerte, die er in der Hand hatte, hinter mir vorbei seinem Gesellen auf den Rücken, und ich hörte die Saiten einer Fiedel erklingen, die da, wie ich nun merkte, wohl eingehüllt am Bande hieng.
»Mißschaffen ist dein Scherz und Schimpf!«
murrte ärgerlich der Gestrichene; aber der Andre lachte dazu und rief:
»Ei, nimm ihn auf mit Gunst und Glimpf!«
»Ich denke«, sagte ich da, »weil Ihr von mir erkundet habt, welcherlei Stande ich angehöre, so hab’ ich wohl auch ein Recht, nach dem Eurigen zu fragen. Doch das ist nicht noth; denn wiewohl ich mich wenig auf der Welt Brauch und ihre Sitten verstehe, so fehl’ ich gewiß nicht der Wahrheit, wenn ich dafür halte,
daß Ihr fahrende Spielleute seid. Aus den gereimten Sprüchen und der Fiedel schließ’ ich das.«
»O, wohlgerathen«, rief lustig der Kleine, »ist Euch das Studium logices. Euer Syllogismus ist demantfest. Und doch traft Ihr nicht haarscharf das Ziel. Fahrende sind wir, das ist wahr, aber Spielende nicht zumal, das gieng Euch fehl’. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; wer die Fiedel trägt, der ist der edlen Sang- und Klangkunst Adept.
Der Tannhäuser wird er genannt,
Ich aber Klingsohr von Ungarland.«