»Und was ist Eure Kunst?« fragt’ ich ihn.
Da blinzelte er mich mit den Augen schlauen Blickes an, sah dann in den grauen Himmel und spitzte den Mund, als besänn’ er sich, ob er mir eine gerade Antwort geben sollte. Darauf blieb er plötzlich stehen und schien zu horchen. Der Andere that desgleichen und fragte:
»Sag’, Bruder, hörst du ichtes was?«
worauf Klingsohr nach kurzer Weil’:
»Nein, nichts! – Doch laßt uns eilen baß.«
»Ja«, fuhr er im Gehen zu mir fort, indem er ausschritt, was seine kurzen Beine vermochten, »die Kunst, die ich übe, ist eine hohe Kunst und eine nützliche Kunst und hat viel’ Liebhaber im Volk. ’S ist aber auch eine gefährliche Kunst und wird arg befehdet von den Hochgelahrten. Eure Heiligen und Scholastici zählen sie nicht unter die sieben freien Künste. Ich möcht’ ihrer auch gern ledig sein. Aber was hilft’s! Jeder Vogel muß bei seinem Liede bleiben. Frau Aventiure ist mir nicht günstig gewesen und hat zu sagen und singen mich nicht gelehrt, wie den da.«
»Aber Ihr reimet doch, als wäret Ihr Worte zu stellen wohl geübt?«
»Macht der Gewohnheit und Freundschaft! Des Tannhäusers edle Gabe ist mir ein wenig zu Gut gekommen. Wenn man die Singekunst so liebt, wie ich, da muß die Gesellschaft solchen Meisters wohl Etwas nütze sein.
Was ich vermag, das ist allein
Von seiner Kunst ein Wiederschein.
Doch Ihr habt«, setzte er hinzu, »in Eurem Brevier von solchen Dingen allen nichts gefunden und begehrt ihrer nicht.«