Damit hockte er etwas von seinem Rücken, das schier einem gewaltigen Buckel geglichen hatte, und langte drei Gänse hervor, die an ihren Hälsen zusammengebunden waren, wie man pflegt, wenn man sie geschlachtet zu Markte bringt. »Sind Sie nicht weiß«, fragte er mich vergnügt, »wie die Kunst, die sie mir eingebracht? Und fett dazu! Sie drückten mich schier, daß ich nicht mehr ausschreiten konnte. Aber harret! Eine soll’s nicht mehr thun, ’s müßte denn im Magen sein.«
Darauf macht’ er sich an’s Küchenwerk und nahm uns dabei ganz weidlich in seinen Dienst. Während er die Gans rupfte und zum Braten bereitete, mußte ihm sein Geselle Handreichung thun, der auch, wie ich sah, in solchen Dingen wohl geübt war. Ich ward ausgeschickt, indeß zum Feuer Holz herbei zu holen. Dazu gab mir der Tannhäuser sein breites Schwert, und weil ringsum der Wald dicht war, so hatt’ ich nach kurzer
Weile zum Brennen genug herzutragen. Der Singmeister hatte bald ein Feuer angezündet, und die Flamme schlug hell empor. Sie verbreitete in unserem Winkel eine willkommene Wärme und sollte unsern durchnäßten Kleidern zu Gute kommen. Klingsohr und ich spreiteten unsere Mäntel und der Spielmann sein Wams vor der Gluth zum Trocknen aus und rückten selber an ihr zusammen so nah, als wir konnten. Es war mir lustig den Beiden zuzuschauen, mit welchem Eifer sie zurüsteten. Bald war der Magus mit der Gans zu Stand, daß sie zum Braten fertig war. »Hier noch das Leberlein und hier die Zwiebel (er nahm sie aus seinem Ranzen) selbander hinein«, sagt’ er; »jetzt geschwind Nadel und Zwirn, – so ist’s gethan; – nun kann sie rösten.« Damit schürte er das Feuer, wie er’s haben wollte.
»Das ist auch eine feine Meisterschaft, die Ihr versteht«, sagt’ ich lobend.
»Was nützte sie, wenn ich sie nicht üben könnte!« gab er zur Antwort. »An des heiligen römischen Reiches Truchseß selber wäre sein Amt verloren, trügen nicht Jäger und Metzger und Bauer und Müller ihm die Küche voll.«
»O«, sagt’ ich scherzend, »ich merke wohl, Ihr wollt nur Eure magischen Künste ausstreichen, und wahr ist’s, das hätt’ ich nie gedacht, daß sie Gänse an den Spieß zu bringen vermag. Aber nun seh’ ich’s mit eigenen Augen.«
»Ja, und sollt’s schmecken mit eigener Zunge, das ist die Hauptsach’. Euer Heiliger muß sich freuen, wie man Euer auf der Wanderung pflegt.«
»Mein Treu«, rief da der Fiedler dazwischen und
wandte, wie der Andere ihn anwies, die Gans um, die schon ganz lieblich zu duften sich anschickte. »Eine Schand’ ist’s, wenn ich gedenke, wie unmild dahingegen die Singekunst heuer gelohnet wird. Man will unser nicht mehr in Klöstern und Burgen, und die Städter, seit sie reich werden, fangen selbst an, gar zierlich und fürnehm zu singen, und weil sie’s umsonst herklimpern, verachten sie uns aus Geiz; bleibt nur das gemeine Volk für uns, sperrt’s Maul auf, weint und lacht, wie man’s haben will, das ist Alles!«
»Drum auch«, sagte der Kleine, »sollst Du Dich gesegnen, daß wir zusammen fahren. Sind wir nicht noch immer ehrlich verbrüdert gewesen?