Sei’s Gans oder Ferkel, sei’s Huhn oder Hahn,
Zusammen wird Alles und Jedes verthan!
Jetzt wend’ sie um!« Und frohmüthig rieb er sich die Hände.
»Wie aber vermögt Ihr’s denn«, fragt’ ich wieder, »Eure magische Kunst so in Ehren und gutem Lohn zu erhalten, daß sie Euch Beiden zuträgt?«
»Sie hieße nicht Magia, wenn sie nicht Geheimniß wäre. Euch, geistlicher Kunstbruder, sei’s genug, daß Ihr wisset: die weiße ist unverboten und gibt ehrliche Nahrung.« Dabei blinzelte er wieder gar listig mit den Augen mich an und lachte. »Nur den Spruch merkt Euch wohl:
Wer sich der Welt gelieben will,
Muß halten ihrem Treiben still;
Denn will er wider ihre Art,
So macht er bald allein die Fahrt.
Und jetzo, Bruder«, ermunterte er seinen Gesellen,
»derweil der Braten schmort und die Kleider trocknen, nimm die Fiedel zur Hand und spiel’!«
Da langte der Fiedler seine Geige her, stimmte die Saiten und ließ dann den Bogen über dieselben springen, daß die Töne wie Funken heraussprühten. Darnach hub er auch an zu singen ein Lied, das zu der fröhlichen Weise wohl stimmte; aber ernst und traurig gieng es hernach, und schwermüthig endete es also:
»Auf den Bergen zergieng der Schnee,
Die Brünnlein, sie rieseln ohn’ Ende:
O Vater und Mutter, Ihr seht mich nimmermeh’,
Muß sterben im Elende. –
Gottes Wille, der muß ergehn.«
Noch einmal holt’ er dazu aus seiner Fiedel lauten und wilden Klang hervor, als wär’s ein Wehgeschrei. Dann verhallten seine Töne langsam und leise. Ich war der Singekunst Freund immer gewesen und hatte der Sequenzen und Leisen Kraft in der Kirche oft an mir erfahren. Aber dieses Fiedlers Gewalt über meine Seele war anderer Art. Seines Spieles Lust wie Leid ergriffen mich gleich sehr, aber sie verwirrten mich auch. Es war nicht die gewohnte Bahn, auf die sein Spiel mich zog, und doch erweckte es in mir einen Wiederhall – ich wußt’ mir nicht zu deuten, wie? –