»Thut nicht so übel«, rief ich da, »daß Ihr einen Unschuldigen angreifet! Ich bin nicht der, für den Ihr mich anseht, hab’ weder Euch noch sonst Keinem ein Leid zugefügt.«
Ich wollte ihnen noch ferner zureden, aber der auf dem Rosse schrie noch viel ungeberdiger denn zuvor die Seinen an:
»Wohl dran, Gesellen, sage ich! Fangt mir den losen Buben! Ich kenn’ ihn wohl wieder am blauen Wams und dem schwarzen Langhaar. Wohl dran, sag’ ich noch einmal! Eine Kanne gut Bier Jeglichem, und wer ihn zuerst angreift, zwo!«
Wie er sie so muthig auf mich hetzte und ihrer zween oder drei mit vorgehaltenen Spießen auf mich drangen, als wär’ ich ein schändlich Wild, da überkam mich ein Grimm und meinen Sehnen wuchs die Kraft. Mit mächtigem Prall stieß ich auf den Ersten, der auf mich einwollte, daß er zurücktaumelte, und sprang an den Andern vorbei, die sich deß nicht versahen, zurück zu unserer Feuerstätte, wo ich noch des Fiedlers Schwert liegen wußte. Ich griff es auf, faßt’ es fest und schrie ganz außer mir: »Heran denn, wen’s lüstet, seinen Lohn an mir zu verdienen!«
Daß ich mich mit einem Gewaffen zur Wehr setzen würde, hatte sich Keiner befahren, und so stunden sie einen Augenblick unentschlossen, wie sie ihr Werk angreifen sollten. Da gedacht’ ich, durch sie hindurchzudringen
und zu entrinnen. Des Einen Spieß hielt mich auf. Ich schlug ihn seitwärts und überrannte den Mann. Aber der Stoß eines Anderen traf mir den linken Arm und gab mir heftigen Schmerz. Alsbald rannten sie Alle wider mich zusammen und es ward ein groß Getümmel. Ihr Meister tobte mit bösen Worten und scharfem Kreischen, wie von Sinnen, indeß ich mich mit meinem Eisen wehrte, wild um mich schlagend. Denn so viel ich von mir wußte, wollt’ ich eher mein Leben lassen, als mich in ihre Hände geben. So wär’ mir’s auch allerdinge ergangen bei der Übermacht meiner Feinde, und weil ich so ganz ungeübt war zu streiten, wenn nicht Gott mit mir ein Anderes beschlossen hätte.
Denn von Ungefähr trug sich’s gewißlich nicht zu, daß just zu dieser Zeit drei Reiter den Weg geritten kamen von der Richtung, nach der meine Fahrt gieng. Es war ein rittermäßig angethaner Herr und zween Knechte. Diese mochten von ihm, da er unseres Streitens ansichtig geworden war, vorausgeschickt sein, denn sie sprengten, ohne daß Einer vor Eifer und Gedrang ihr Nahen wahrgenommen hatte, weil aller Blicke und Gebärden auf mich gerichtet waren, mit höchster Eil’ und ungedacht in den Haufen meiner Widersacher mitten hinein, daß männiglich vor ihnen zurückwich.
»Städter sind’s, Helmbold«, sagte der Eine zum Anderen und rief dann: »Seid Ihr so unbescheiden oder so erhitzt gegen einander, daß Ihr es wagen dürft, unserm gnädigen Herrn den Weg zu verlegen mit Eurem Hadern?«
Da schrieen sie zumal, der Eine dies, der Andere
das, indem sie auf mich wiesen, und schlugen auf’s Neue auf mich ein.