»Gebt Ruhe alsogleich!« geboten die Beiden da drohend, ritten durch sie hindurch nahe an mich heran und schirmten mich so vor ihrer Wuth.
Als dergestalt Niemand an mich durfte, ward der Bäckermeister ganz unsinnig auf seinem Roß und that des Tobens und Scheltens um so mehr. Aber es währte nur eine kleine Weile, da kam der Ritter selbst heran, ein ältlicher Herr, der etwas gebückt, aber noch gar fest im Sattel saß.
»Bei Gottes Thron!« rief er und sah Krummholz und seinen Troß mit Staunen an, »das sind Leute aus Waibstadt, das ist der ehrsamen Bäckerzunft Obermeister!«
»Peter Krummholz, edler Herr«, antwortete der, sich verneigend, »bei dem Ihr vor drei Jahren, als Ihr durch Waibstadt gen Basel zogt, zur Herberge gelegen.«
»Wo mir Euer Töchterlein, – heißt sie nicht Bärbel? – den Willkomm credenzte; ich entsinne mich deß wohl. Aber wie geschieht das, daß Ihr hier auf meinem Grunde zu Felde liegt und wider Gesetz und Recht den Frieden brechet? Hat nicht auch Eure Stadt mir in die Hand gelobt, ihre Streitsachen gütlich zu vertragen, auch dieselben an mich zu bringen, ob sie nicht beizulegen? Und nun find’ ich, nachdem ich wenige Zeit von dannen gewesen, daheim wieder den alten Hader, und auf offener Landstraße am helllichten Tage!« Und unmuths schlug er sich auf die Hüfte.
»Keine Streitsache ist es, Ew. Gnaden«, erwiederte der Bürger, sich rechtfertigend, »unter uns oder mit
unsern Nachbarn entstanden, um die wir allhier bewehrt von Euch angetroffen werden, sondern ein Schelmenstück, uns und gemeiner Sicherheit zum Schaden zugefügt. Das begehren wir zu richten.«
Ehe er fortfuhr, weil die Luft ihm ausgegangen, rief ich, noch immer im Zorn: »Ohne Urtheil und Spruch oder einige Ursach’ haben sie mich ganz Schuldlosen wie einen Schächer überfallen. Ich bitte aber Euer Gnaden durch Gottes Marter, daß Ihr zur Beweisung meiner Sache mich hören wollet; denn dieser da weiß auf jeglich Wort, das ich ihm sage, nichts Anderes, als mit Wüthen und Toben auf mich zu hetzen, so er doch fürgibt, gemeiner Sicherheit zu dienen.«
Ich wollte weiter reden, aber heftig brach der Bäckermeister wieder los: »O wie listig der lose Bube plaudert! Das ist seine ausbündige Kunst, sich mit Worten zu schmücken; aber sie soll, will’s Gott! nun am Längsten geschadet haben! – Euer Gnaden kennet meine Tochter, das Bärbel; hat Euch credenzet vor drei Jahren, eine feine Dirne und mein einzig Kind. Sie hab’ ich am letzten Andreastage des Schultheißen Sohne verlobt, Mathias Kaulfuß, einem tugendhaften Jüngling. Vor vier Tagen haben wir den Brautleuten die Hochzeit ausgerichtet und dieselbige gestern mit einem Freudenmahl zu beschließen gedacht. Denn unsere Freundschaft ist groß, und um des Schultheißen willen war der Stadtobrigkeit und um meinetwillen der Bäckerinnung Ehr’ und Ansehen höchst nöthig zu wahren. Doch Ihr müßt wissen, edler Herr, in unserer Stadt ist von Alters her leider zwischen den Bäckern und Metzgern viel Verdrieß und Hinderung, welches Alles aber als Nichts zu rechnen ist gegen die Feindschaft,
die nun um sich gefressen. Denn Heinrich Häsener, des Metzgergewerkes Obermeister, hat öftermalen bei mir um’s Bärbel für seinen Sohn werben lassen, auch öffentlich geprahlt, ich müßt’ sie ihm geben. Wie er’s nun nicht erlangte, auch nicht hindern konnte, daß Bärbel des Schultheißen Schwiegertochter ward, da hat er sich hoch vermessen, er wolle uns mit seinem Anhang die Hochzeit verderben. Darum mußten wir beweisen, daß wir auch trotz den Metzgern etwas vermöchten.«