»Macht’s kurz, Meister!« unterbrach ihn der Ritter. »Was geht Eure Hochzeit diesen Handel hier auf der Straße an?«

»Sehr viel, Euer Gnaden! Gebt nur Acht! Denn wie Häsener und sein Anhang uns in allen Stücken den Widerpart hielt, so kommt’ er doch dem Zulauf bei uns und der Ehre, die wir einlegten, im Geringsten Nichts abbrechen. Denn wir hatten die Stadt-Zinkenisten, daß sie pfiffen und bliesen bei der Heimholung und in meinem Haus; so hatten sie sich die Stadtpfeifer von Bischofsheim verschrieben. Mit denen zogen sie den Unsern nach und ließen sie gegen meinem Hause über in der Metzger Gesellenstube aufspielen, so oft unsere Zinkenisten mit Blasen anhuben. Aber die Pfeifer stunden bald ab, denn sie sahen, daß sie gegen unsere Zinkenisten Nichts vermochten, sondern jedesmal übertönt wurden. Gewißlich auch wären die Metzger endlich zum Gelach geworden der ganzen Stadt, denn sie konnten mir nicht einen Hochzeitsgast abwendig machen. Aber gestern hat der üble Teufel, der an jeglichem Tuck seine Freud’ hat, zwei fahrende Landstreicher dahergeführt, den Gauch da und seinen

Gesellen; die haben ihnen das Spiel gewonnen. – O wartet ein klein wenig, Ew. Gnaden«, fuhr er aufgeregt fort und entknöpfte seinen Brustlatz, »mir versetzt es schier die Luft, wenn ich daran gedenke, aber ich will’s Euch ganz nach der Wahrheit berichten.«

»Das sei Euch gespart, Meister!« rief ihm der Ritter ungeduldig zu. »Wenngleich man Euch die Hochzeit verdorben hat, könnt Ihr doch darum Keinen wollen kampflich anrennen und schlagen, wie Ihr thut.«

»Das ist mir wohl wissend«, fuhr der Bäcker fort, hier stehen meine zünftigen Gesellen alle, die sollen mir bezeugen, ob ich ein Einiges aufbringe, das nicht nach der Wahrheit ist! Sind nicht die zween fahrenden losen Leute auf den Markt gestanden gestern unter der Metzger Geleite und haben mit ihrem losen Wesen schier Alt und Jung nach sich gezogen? Der Eine nannte sich Klingsohr, mit Zauberspruch, Arzeneiung und Teufelskunst, der brauchte kündlich Höllenlist. Der Andere nannte sich Tannhäuser, strich die Fiedel so ausbündig und wußte zu singen und zu sagen, was die Leute gern hören, von Walther, König Rother, vom hörnenen Siegfried und allen Mären, die doch nicht zur Gottseligkeit, noch zu ehrsamer Kunstübung dienen. Das ist der da im blauen Rock! Ist nicht zu ihm Abends, als kaum der Brauttrunk umgegangen war nach dem Schmaus, das junge Volk allsammt hinüber gewichen in der Metzger Gesellenstube, wohin Häsener sie genöthigt hatte, und konnte gar der Umtanz der Hochzeiter nicht gesprungen werden, wie es doch Brauch ist, weil bei uns nur die Alten sitzen geblieben waren auf der Bank und auch die nicht Alle! Und gar trübselig und des Ärgers voll war uns der Hochzeit

Ende schon in früher Nachtstunde; die drüben aber hatten der Kurzweil und des Springens kein Ende bei dieses Buben losen Künsten. Denn ein Gauch ist er, wie der Andere, sag’ ich, und ein Dieb. Während der Fiedler Aller Ohren und Sinne auf sich lenkte, da hat er dem Teufelskünstler Raum geschafft zu seinen Schelmenstücken. Sagt, meine Gesellen, sind nicht heute Morgen alle drei Gänse aus meinem Stalle weg gewesen, die ich den Winter über gefüttert? Hat nicht Catherin, die Magd, bekannt, sie selbst habe den Klingsohr in den Hof hinter die Küch’ geführt, weil er fürgegeben, er wolle ihr da für ihren ungetreuen Liebsten die Nestel knüpfen? Er ist entwischt, aber seinen Diebsgesellen haben wir durch gutes Glück gefunden. Da steht er überführt, und seine Straf’ soll Andern, will’s Gott, ein Exempel sein.«

Als ich des Beleidigten und Bestohlenen Rede hörte, erschrak ich über die Maßen sehr, und meine Wuth wich großer Besorgniß; denn ich sah, daß mein Kleid, das Feuer und des Mahles Zurüstung, meine wagende Gegenwehr, Alles wider mich zeugte, und es entfiel mir mein Herz, da ich daran gedachte, daß mir des Abtes Schrift und Brief, wodurch ich mir freilich hätte leichtlich Glauben verschaffen können, samt der Kutte geraubt waren.

Wohl mochte mir der Ritter ansehen, wie verstürzt ich war, als er mich hart anredete:

»Du bist also der Tannhäuser?«

»Gewißlich, Herr, das ist mein Name nicht; Diether bin ich genannt«, antwortet’ ich ihm mit wenig kecklicher Stimme.