»Freilich bist Du so wenig der Tannhäuser selber,

wie Dein Gefährte der Klingsohr«, sagt’ er. »Aber Du bist es doch, der sich vom Volke also heißen läßt?«

»Ja, er!« riefen die Anderen zumal.

»Du bist es, der die alten Mären von Siegfried und den ruhmeswerthen Helden zu sagen so wohl verstanden?«

Wieder bezeugten sie, es wäre Alles wahr, was der Obermeister von mir berichtet hätte.

»Genug denn des Säumens!« sprach der Ritter und befahl seinen Knechten, mich zu binden und zwischen ihren Rossen von dannen zu führen.

»Ihr, ehrsamer Meister«, sagt’ er zu Krummholz, »zieht in Frieden heim mit Euren Leuten; den fahrenden Spielmann will ich bei mir in Gewahrsam halten, ihn zu richten, wie ihm nach den Rechten kaiserlicher Majestät für seine begangene Untugend gebührt. Und Ihr, noch der Schultheiß, sorget nicht, daß es nicht nach Strenge geschehe. Der Bärbel bringt meinen Gruß! – Euch Allen freundlichen Dienst und des reichen Gottes Geleit!«

Der Obermeister wagt’ ihm nicht zu widerreden. – Sie reichten sich die Hände und schieden. Der Ritter hieß seine Knechte eilen und ritt gemach voraus. Sie hatten bald meine Hände auf den Rücken gebunden und trieben mich zwischen sich her. Die Städter blieben noch an der Stätte, zu verschnaufen, ehe sie die Rückfahrt anhüben. »Gedenkt Eures Verspruchs«, hört’ ich noch die Gesellen zum Meister sagen, der erwiederte: »Zwar es hat ihn Keiner gegriffen, doch das Bier sollt Ihr haben, denn heut’ bleibt die Zunft noch lange zusammen!«

Mit der Weile war der Abend hereingebrochen,

aber er hatte den wehenden Wind nicht zur Ruhe gebracht. Wundersam gestaltet flogen die Wolken über uns, den Mond verbergend und von seinem Glanze röthlich umsäumt. Schwere Tropfen schüttelten die rauschenden Buchen, die den Waldweg überhiengen, den wir eingeschlagen hatten. Er war moosig und von Baumwurzeln behindert, die, wenn ich sie vor mir sah, Schlangen glichen, darüber hin sich windend. Schweigend zogen wir hindannen, und ich hätte gute Muße gehabt, des Weiteren über mein Geschick nachzudenken, und wie ich mich fürder am besten verhielte. Aber ich vermochte nicht, meinen Gedanken zu gebieten; ich war wie mir selbst entfremdet. Ich betrachtete genau die gebräunten Angesichter der beiden Reiter, ihre Eisenhauben, Brünnen und die Falten ihrer wehenden Mäntel. Ich horchte auf das Schnauben der Rosse, deren feuchten Odem ich an meinen Wangen fühlte, auf das Geknirsch ihrer Gebisse, auf das Gestampf ihrer Hufen. An das, was ich vor wenigen Stunden gethan und erlebt hatte, gedacht’ ich nicht, auch nicht, was mir ferner zu erleiden vorhanden wäre. Nur als der Mond klar durch die Wolken trat und mir hell in’s Angesicht leuchtete desselben Glanzes, den er mir so oft durch’s kleine Fenster in meine Zelle gesendet hatte, wenn ich nicht schlafen konnte, da gedacht’ ich, ob auch wohl in der weiten Christenheit Jemand zu finden wäre, der in dieser Stunde so sorgenhaften und elenden Herzens zu ihm aufblickte, als der hier gefangen durch die Nacht getrieben ward, und fast wie ein Schrecken überkam’s mich, daß ich das selber war, Diether von Maulbronn.