Ja, es war über alle Gottescreatur jene friedliche und selige Ruhe ausgebreitet, wie sie wohl ein schwacher Wiederschein sein mag des Schöpfungssabbaths am Anfang, den Gott der HErr heiligte und segnete, da Er selber ruhte und die Morgensterne Ihn lobten und Ihm zujauchzten alle Kinder Gottes. Nur das Gesumme der nimmer ruhenden Immen und im Sonnenschein spielender Thierlein mit buntem Flügelkleid traf unser Ohr und zuweilen vom Thal herauf der Ruf der Ammer, der immer so wohl in die Sommerstille hineintönt.

Wir saßen schweigend, Jeder über seinem Werk. Doch konnt’ ich’s nicht lassen, unterweilen mit Bewunderung

zu ihr hinüberzublicken, wie sie gesenkten Hauptes mit kunstreichen Fingern gar emsiglich den zarten Faden zog.

Da erscholl ganz nah aus dem Gebüsch der laute Gesang der Nachtigall. So lieblich-plötzlich ward die vorige Stille unterbrochen, daß wir Beide unwillkürlich aufsahen und lauschten. Wie mit frohem Jubel klangen zuerst hell die Töne, danach wandelten sie sich wie in ein dumpfes Schluchzen und verhallten endlich langsam und leise.

Schweigend sah Irmela vor sich hin, dann sagte sie nachdenklich: »Wer doch der Vogelsprache kundig wäre, wie Salomo!«

»Vielleicht«, versetzte ich, »machten uns ihre Geheimnisse selten froh.«

»Aber die der Nachtigall zu verstehen«, meinte das Mägdlein, »dünkt mich doch ein selig Ding sein. Sie ist doch alles Gesanges Meisterin. – Habt Ihr auch davon gehört, Meister Diether, daß sie mit der Gewalt ihrer Töne ihre Brut hervorlocke aus dem Ei in Licht und Leben, und also dies Vöglein selber sein Dasein der Macht des süßen Gesanges verdanke?«

»Wohl hab’ ich davon gehört«, sagt’ ich. »Die Creatur Gottes ist überall voll tiefer Wunder.«

Ein Windhauch rauschte durch die Büsche und schüttete die Fülle weißer Fliederblüthen just über das liebe Mägdlein, so daß sie vom Haupt bis hernieder zu den Füßen mit den schimmernden Sternlein bestreut ward.

»Seht«, rief ich da, wie sie mit Lächeln sich betrachtete, »hat sich das nicht wunderbar gefügt, und sollen wir nicht wähnen: Frau Nachtigall habe Euch grüßen wollen und habe die duftenden Blüthen ermahnt,