Streng sah er mich an, und dennoch war mir’s, als hätt’ er ein Wohlgefallen an mir.

»Ihr thut mir Unrecht, Brun«, sagt’ ich da, und trat ihm einen Schritt näher, »Ihr thut mir zur Wahrheit Unrecht, wenn Ihr wähnet, ich komme im Übermuth zu Euch und zeige mich Euch in diesem höfischen Kleide, weil ich bethört sei von der Welt Eitelkeit. Sondern gedenket, wie Ihr einst selbst Eure Klause mit des Erzvaters Noä Arche verglichet, da Ihr mir Verirrtem eine Rast hier schufet vor des Wetters Ungestüm. Heut’ gleich’ ich dem Täublein, das draußen nirgend haften kann, mehr denn damals, und bitte, schleußt vor dem Flüchtigen Euer Fenster nicht zu!«

»Aber«, sagte der Alte hinwieder mit einem scharfen Blick auf mich, »Du hast das Ansehen nicht, als hätte Dir die Welt bei Deinem ersten Ausflug übel gelohnt und reute Dich der Dank, der Dir von ihr geworden.«

»O, Brun!« versetzte ich darauf. »Vergönnt mir nur bei Euch wenige Tage zu weilen und mich zu bergen; ein Anderes begehr’ ich nicht. Und wenn ich Euch werde berichtet haben, was mir begegnet ist, so werdet Ihr selbst erkennen, wie ich aus Noth in dieses Kleid gekommen bin und nicht aus Fürwitz, und Ihr werdet mir heim helfen, wohin mein Sinn steht, in’s Kloster.«

»Wie?« fragt’ er mit Staunen. »In’s Kloster begehrst Du zurück?«

»Ja, ich!« betheuert’ ich; »heim gen Maulbronn.«

»Nun, Diether!« sprach da Brun, derweil er aufstund und sich anschickte, mich in seine Hütte zu

geleiten. »Traun! Seltsames muß sich zugetragen haben, oder Du bist in Deinen Jahren gewitzigter als Viele, wenn in so wenigen Wochen die Welt Dich Unerfahrenen auf ihren Kloben pfeifen konnte, aber nicht länger Dich festhalten, und Du schon gelernt hast, ihres Wesens überdrüssig zu sein. Manch’ Einer lernt’s mit grauen Haaren kaum! Doch komm und pflege Dein! Du sollst mir hernach erzählen. Und vor wem Du Dich auch zu bergen hast, sorge Dich nicht. St. Wigbert’s Schutz ist gut, wem der einmal zugesagt worden ist.«

So war ich denn den Tag über in seiner Klause, und sanft that mir da die Ruh. Mein Wirth trug auf’s Beste Sorge für mich und spähte fleißig, ob sich Jemand nahte. Aber den Waldpfad entlang ward nichts sichtbar, als etwa ein Wild, das zum Äsen der Lichtung zuschritt aus dem Dickicht; und außer durch das Geschrei des Hähers oder der Weihe droben in der blauen Luft und den Gesang der Waldvögel aus dem Erlengebüsch am Bach und dessen Rauschen ward die Stille der Einsamkeit durch Nichts unterbrochen.

Über das, was mit mir vorgegangen, vermied Brun jede Frage. Aber als der Abend hereingekommen war und der Alte droben zur Vesper geläutet hatte, rief er mich hinaus und führte mich in seine Sommerlaube. Dort hieß er mich erzählen, was ich erlebt hätte, seit ich von ihm gezogen wäre. Da berichtete ich die Aventiure mit den zween Fahrenden, und wie ich durch sie um Klosterkleid und Briefe gekommen; ich schilderte meinen Strauß mit den Städtern, wie sie an mich wollten und ich mich ihrer erwehrte, ich erzählte auch darnach von Elzeburg, wie ich wäre dahin