Träumt’ ich da, oder befieng ein Zauber meine Sinne, der mir zum Spott vor’s Gesicht brachte, was doch nicht war?! Denn siehe! Dort drüben auf dem Wege zum Thal hinein kam’s hervor, zuerst nur undeutlich zu sehen zwischen den Waldbäumen, dann glänzend im Sonnenlicht, ein reisiger Zug, stattliche Reiter voran und, wie ich am blitzenden Zierrath erkennen konnte, den Mannen und Rosse trugen, herrlich geschmückt. Wappenherolde schienen die Vordersten zu sein, denn sie waren reich in Purpur und Gold gekleidet; sie trugen ein Banner, und von den Häuptern ihrer Pferde nickten bunte Federbüsche; ihnen folgten gewappnete Knechte zu Fuß und andere reitend auf Rossen, die auf’s Zierlichste aufgezäumt waren. Darnach kamen Ritter und Herren, alle prächtig angethan, nicht gerüstet, sondern als hätten sie sich einem Feste entgegengeziert und an Seide, an Sammet und an köstlichen

Fellen und Borten nichts gespart. Unter ihnen war auch Einer, der saß gemächlich auf weißem Zelter: nach Hut und Gewand sah er aus wie ein hoher geistlicher Herr; Diener führten sein Thier. Nach diesen kamen Saumthiere, mit allerlei Gezeug und Geräth hochbeladen, wie zur Lagerung und Hofhaltung, zu Gezelt und Küchenwerk bestimmt, und letzlich zog ein bunter Haufe allerlei Volks hinterher, wie sich allweg solcher Leute genug zusammenfinden, wo immer es etwas zu schauen, vielleicht auch zu gewinnen gibt. So entfaltete sich dieser Zug, aus dem Walde herfürkommend, und war nun ganz sichtbar auf dem Wege, den er erfüllte.

Schon wähnt’ ich, sie würden ihre Fahrt etwan hinein in’s Dorf nehmen und hinauf zur Burg oder an mir vorüber; aber da sie an die Scheide des Weges gekommen waren, wandten sie sich linkswärts zur Brücke und zogen da die Straße quer durch’s Thal in das Gebirg’ hinauf. Staunend ruhte mein Auge auf all’ der ritterlichen und lustsamen Pracht, wie ich zuvor ihres Gleichen nie ersehen hatte, und haftete so viel möglich an jedem Einzelnen, bis auch der Letzte aus dem Zuge hinter den Bergen verschwunden war. Das war bald geschehen und drüben war mir der Weg wieder so einsam wie vordem.

Wohl durft’ ich mich da fragen, ob’s Wirklichkeit gewesen wäre, was ich erschaut oder nur Wahn und Einbildung. Doch solcher Zweifel ward mir bald benommen, denn ich sah zween Knappen zurückkehren sogleich darauf, und als solche, die zu einer Botschaft ausgeschickt sind, die Straße heranreiten, welche in’s Dorf führte. Sie mußten frohe Märe zu bringen haben und selber frohen

Muthes sein; denn Alt und Jung, so auf der Dorfstraße zusammen kam, durfte die fremden Gäste fragen und gewann, wie ich an dem Winken und Rufen der Leutlein wahrnahm, schier guten Bescheid. Der eine der Beiden lenkte seitwärts hinan zur Burg, der andere ritt weiter fürbaß.

Als ich sah, daß er den Weg zog, den ich gekommen war, und also an mir vorüber mußte, stieg ich behend von meiner Warte hinab, und da er nahte, schritt ich ihm entgegen, grüßte ihn mit Züchten und fragte, ob er mich wohl bescheiden wollte, welcherlei Herren das gewesen wären, die da mit also stolzer Pracht hindurchgezogen, und was wohl ihrer Reise Ziel. Auch sagte ich noch dabei: ich hielte wohl, es müßten vor Andern auserlesene Ritter sein, und gewißlich war’s ein hohes Freudenfest, dem sie in solchem Schmuck entgegenführen.

Da erwiederte der Gefragte: »Ihr habt meiner Treu mit Beidem das Richtige getroffen, wenn anders eine Hochzeit ein Freudenfest ist und ein Bischof und Grafen und Herren ihr Bestes thun, sie stattlich auszurichten.«

Darnach sagt’ er mir, daß sie von Speyer kämen, dahin die junge Braut zu geleiten, welche Conrad, dem Neffen des Bischofs Gebhard, bestimmt wäre. Der Bischof selber führte ihr den Bräutigam zu, und manch’ Edler wäre noch in seinem Gefolge. Hier unweit sollte die Begegnung stattfinden und einen herrlichen Empfang wollte man der Braut und ihrem Geleite bereiten. »Da wird es,« schloß er, »an Ehr’ und Herrlichkeit nicht fehlen, noch an edler Lustbarkeit und ritterlichem Spiel, wie es Brauch ist in deutschen Landen, wenn man höfische Tugend und milde Sitten beweisen

will; so wird’s auch Euch nicht reuen, geistlicher Bruder, wenn Ihr anders Euch solchem Weltwesen nicht ganz widersagt habt, da das Fest mitzuschauen und nach Eurem Theile seiner Freude mit zu genießen. Gewiß! Ihr bringt genug der Erinnerung heim, davon noch lange zu zehren hinter den Mauern Eures Klosters.«

Darauf trieb er sein Roß an und trabte von dannen. Das war mir leid, denn was er mir berichtet hatte, gieng mir näher zu Herzen, als er’s denken konnte, und gerne hätt’ ich von ihm noch mehr erfragt.