Wie ich das Alles betrachtete, wundert’ ich mich, wie wenig doch Irmela, der zu Genieß dies Gepränge bereitet war, die Glückseligkeit einer Braut sehen ließ; wie selten sie des Mannes achtete, der ihr zum Gemahl erkoren war, und nur wenn er mit ihr redete; wie liebevoll sorglich aber oft ihr Ohm sich zu ihr wendete und wie freundlich jedesmal ihr Angesicht lächelte, wenn

er’s that, als sollt’ er nicht zweifeln, daß sie ganz glücklich wäre.

Nun gab der Bischof ein Zeichen, die Diener geboten dem Volke Stille und einer der Herolde trat vor, verneigte sich gegen die Herrschaften im Gezelte und rief dann, zum Volk gewandt, mit lauter Stimme folgendermaßen:

»Nachdem es seiner bischöflichen Gnaden geliebt hat, ihren Neffen, den trefflichen Ritter Conrad, von Gernstein zubenannnt, auf seiner fröhlichen Brautfahrt hierher zu begleiten, haben Sie zu mehrerer Ehre dieses Tages und zur Erhöhung werther Lustbarkeit nach alter Sitte öffentliche Spiele halten wollen. Und weil denn die vieledle Braut« (hierbei neigte der Herold sich gegen das Fräulein) »der preislichen Singekunst sonderlich zugethan ist, lassen Seine bischöfliche Gnaden zuvörderst Alle, die in der Singekunst etwas vermögen und sich deß getrauen, hiermit zum Wettkampf entbieten, darin ihr Bestes zu versuchen. Ein Kranz und silberner Becher ist der Preis. Die holde Braut selber wird die Gabe darreichen Dem, den sie als Sieger auserkennt.«

Darauf schwieg dieser Herold und trat zurück an seinen Ort. Da winkte der Bischof einem Edelknaben, der hinter im stund. Der kam hervor, bog vor Irmela das Knie und bot ihr in silbernem Gefäße, das er in Händen trug, ein weißes Blatt und Griffel dar. Sie nahm Beides, reichte es aber hinter sich dem Gernsteiner. Der besann sich nicht lange, beschrieb das Papier und legt’ es wieder in die Schüssel. Nun gieng der Knabe, nahm das Blatt heraus und übergab es dem andern Herold. Nachdem dieser gethan, wie der erste, entfaltete er das Papier, erhub seine Stimme und las, was da geschrieben stund:

»Woraus die Herzensliebe zumeist Gedeihn gewinnt!« Das ist’s, worauf die Singer Antwort geben sollen, wer die beste findet. Wohlauf denn, wer hoher Ehren begehrt! – Zum Sinnen ist eine kurze Frist verstattet!«

Dies schien mir nun eine geschickte Zeit, mich von der Stelle hinweg zu machen, auf der ich stund. Nicht allein des Bischofs wegen, wenn ihn etwa die Lust ankäme, nach dem Klösterling zu fragen und mich vor sich zu bescheiden, sondern ich scheute mich nicht weniger, in dieser meiner Tracht von der Jungfrau Irmela erkannt zu werden; und nahe genug war ich ihr da. Ich sucht’ also und fand, da nun eine Zwischenzeit, bis sich das Wettsingen anheben sollte, gegeben war, eine Gasse durch die Menge und war bald im Walde ihr entgangen. Aber vom Schaun der Herrlichkeit wie von der Erwartung, was nun folgen sollte, war mein Gemüth so erregt, daß es mir eine Pein schien, dem Spiele fern zu bleiben. Auch war mir, ich wußte selber nicht warum, Irmela’s Anblick hier im festlichen Glanz so leid wie lieb gewesen, aber ein sehnendes Verlangen zwang mich zurück, sein ferner zu genießen.

So hieng ich zwischen der Lust, mich wieder hinzukehren, und der Sorge, durch meine Tracht in Beschwerniß zu gerathen. Da vernahm ich von ferne den Schall der Hörner und den Ruf des Heroldes, daß das Spiel begönne. Alsbald sucht’ ich mir einen sicheren Versteck unter überhängendem Gestein. Daselbst legt’ ich meinen Klosterrock ab, verbarg ihn wohl und kam in der Singertracht herfür, die ich mir in Elzeburg zum Lohne verdient hatte.

Eilig kehrt’ ich nun zurück und mischte mich unter’s

Volk wie vorhin, nur daß ich so weit wie möglich von meinem ersten Standorte fern blieb und mich weislich nicht unter die Vordersten drängte.