»Pst, Junker Diether, lebt Ihr noch?«
hört’ ich eine Stimme, die im Flüsterton zu bleiben trachtete und doch laut genug schnarrte; ein runder Krauskopf streckte sich durch die geöffnete Thür und eine kurze Gestalt schob sich ihm nach und ließ den schwachen Schein der Leuchte in ihrer Hand im Gefängniß umherwandern.
»Hu, was ein ödes Jammerloch!«
sagte der Kurze dabei und verzog seinen breiten Mund.
Ich konnte mich nicht genug verwundern über das Alles, daß ich vor Staunen schier wie angewurzelt war und meinen unerwarteten Gast nur anstarrte. Endlich traf mich der Schein seines Windlichts. Da setzte er es zur Erde, machte etliche Schritte mir entgegen und kratzte mit seinem rechten Fuß hinten aus, indem er, seinen Hut schwenkend, sich tief vor mir verneigte.
»Euer Knecht in aller Willigkeit,
Zu jedem Dienst allzeit bereit,«
sprach er und legte die freie Hand auf seine Brust, seine Ehrerbietigkeit noch deutlicher zu bezeugen.
»Ei, ei!« sagt’ er dann wieder und wies auf den Platz, den ich inne hatte:
»Wie hat man doch hienacht
Die Ruhstätt’ übel Euch gemacht!
Ach, ja! und ’nem Junker! – ’s ist ’ne Schand! – Das will ein Bischof sein und eines Bischofs Voigt?! ’s ist ’ne Schand’ für die ganze christliche Ritterschaft!« – Er sah wieder verächtlich sich um. »So ein Otternloch! So eine Löwengrube!! Es vergeht einem schier das Reimen, wenn man Euch da sieht, ob sich’s gleich mit der »Ecken«, drin Ihr hockt, und »Verstecken« so leicht thun ließe!«