Rosalie. Hört mich nur an, mein Fräulein-Kunigunde. Gift! Pest!
Verwesung! Stumm mache sie und rede nicht! Wenn sie vergiftet, tot
ist, eingesargt, Verscharrt, verwest, zerstiebt, als Myrtenstengel,
Vor dem, was sie jetzt sah, im Winde flüstert; So komm und sprich von
Sanftmut und Vergebung, Pflicht und Gesetz und Gott und Höll und
Teufel, Von Reue und Gewissensbissen mir.
Rosalie. Sie hat es schon entdeckt, es hilft zu nichts.
Kunigunde. Gift! Asche! Nacht! Chaotische Verwirrung! Das Pulver reicht, die Burg ganz wegzufressen, Mit Hund und Katzen hin!—Tu, wie ich sagte! Sie buhlt mir so zur Seite um sein Herz, Wie ich vernahm, und ich—des Todes sterb ich, Wenn ihn das Affenangesicht nicht rührt; Fort! In die Dünste mit ihr hin: die Welt, Hat nicht mehr Raum genug, für mich und sie! (Ab.)
Fünfter Akt
Szene: Worms. Freier Platz vor der kaiserlichen Burg, zur Seite ein
Thron; im Hintergrunde die Schranken des Gottesgerichts.
Erster Auftritt
Der Kaiser auf dem Thron. Ihm zur Seite der Erzbischof von Worms,
Graf Otto von der Flühe und mehrere andere Ritter, Herren und
Trabanten. Der Graf vom Strahl, im leichten Helm und Harnisch, und
Theobald, von Kopf zu Fuß in voller Rüstung; beide stehen dem Thron
gegenüber.
Der Kaiser. Graf Wetterstrahl, du hast, auf einem Zuge, Der durch Heilbronn dich, vor drei Monden, führte, In einer Törin Busen eingeschlagen; Den alten Vater jüngst verließ die Dirne, Und, statt sie heimzusenden, birgst du sie Im Flügel deiner väterlichen Burg. Nun sprengst du, solchen Frevel zu beschönen, Gerüchte, lächerlich und gottlos, aus; Ein Cherubim, der dir zu Nacht erschienen, Hab dir vertraut, die Maid, die bei dir wohnt, Sei meiner kaiserlichen Lenden Kind. Solch eines abgeschmackt prophetschen Grußes Spott ich, wie sichs versteht, und meinethalb Magst du die Krone selbst aufs Haupt ihr setzen; Von Schwaben einst, begreifst du, erbt sie nichts, Und meinem Hof auch bleibt sie fern zu Worms. Hier aber steht ein tief gebeugter Mann, Dem du, zufrieden mit der Tochter nicht, Auch noch die Mutter willst zur Metze machen; Denn er, sein Lebelang fand er sie treu, Und rühmt des Kinds unsel'gen Vater sich. Darum, auf seine schweren Klagen, riefen wir Vor unsern Thron dich her, die Schmach, womit Du ihre Gruft geschändet, darzutun; Auf, rüste dich, du Freund der Himmlischen: Denn du bist da, mit einem Wort von Stahl, Im Zweikampf ihren Ausspruch zu beweisen!
Der Graf vom Strahl (mit dem Erröten des Unwillens). Mein kaiserlicher Herr! Hier ist ein Arm, Von Kräften strotzend, markig, stahlgeschient, Geschickt im Kampf dem Teufel zu begegnen; Treff ich auf jene graue Scheitel dort, Flach schmettr' ich sie, wie einen Schweizerkäse, Der gärend auf dem Brett des Sennen liegt. Erlaß, in deiner Huld und Gnade, mir, Ein Märchen, aberwitzig, sinnverwirrt, Dir darzutun, das sich das Volk aus zwei Ereignissen, zusammen seltsam freilich, Wie die zwei Hälften eines Ringes, passend, Mit müßgem Scharfsinn, an einander setzte. Begreif, ich bitte dich, in deiner Weisheit, Den ganzen Vorfall der Silvesternacht, Als ein Gebild des Fiebers, und so wenig Als es mich kümmern würde, träumtest du, Ich sei ein Jud, so wenig kümmre dich, Daß ich gerast, die Tochter jenes Mannes Sei meines hochverehrten Kaisers Kind!
Erzbischof. Mein Fürst und Herr, mit diesem Wort, fürwahr, Kann sich des Klägers wackres Herz beruhgen. Geheimer Wissenschaft, sein Weib betreffend, Rühmt er sich nicht; schau, was er der Mariane Jüngst, in geheimer Zwiesprach, vorgeschwatzt: Er hat es eben jetzo widerrufen! Straft um den Wunderbau der Welt ihn nicht, Der ihn, auf einen Augenblick, verwirrt. Er gab, vor einer Stund, o Theobald, Mir seine Hand, das Käthchen, wenn du kommst Zu Strahl, in seiner Burg, dir abzuliefern; Geh hin und tröste dich und hole sie, Du alter Herr, und laß die Sache ruhn!