Theobald. Verfluchter Heuchler, du, wie kannst du leugnen, Daß deine Seele ganz durchdrungen ist, Vom Wirbel bis zur Sohle, von dem Glauben, Daß sie des Kaisers Bänkeltochter sei? Hast du den Tag nicht, bei dem Kirchenspiel, Erforscht, wann sie geboren, nicht berechnet, Wohin die Stunde der Empfängnis fällt; Nicht ausgemittelt, mit verruchtem Witze, Daß die erhabne Majestät des Kaisers Vor sechzehn Lenzen durch Heilbronn geschweift? Ein Übermütiger, aus eines Gottes Kuß, Auf einer Furie Mund gedrückt, entsprungen; Ein glanzumfloßner Vatermördergeist, An jeder der granitnen Säulen rüttelnd, In dem urewgen Tempel der Natur; Ein Sohn der Hölle, den mein gutes Schwert Entlarven jetzo, oder, rückgewendet, Mich selbst zur Nacht des Grabes schleudern soll!
Der Graf vom Strahl. Nun, den Gott selbst verdamme, gifterfüllter Verfolger meiner, der dich nie beleidigt, Und deines Mitleids eher würdig wäre, So seis, Mordraufer, denn, so wie du willst. Ein Cherubim, der mir, in Glanz gerüstet, Zu Nacht erschien, als ich im Tode lag, Hat mir, was leugn' ichs länger, Wissenschaft, Entschöpft dem Himmelsbronnen, anvertraut. Hier vor des höchsten Gottes Antlitz steh ich, Und die Behauptung schmettr' ich dir ins Ohr: Käthchen von Heilbronn, die dein Kind du sagst, Ist meines höchsten Kaisers dort; komm her, Mich von dem Gegenteil zu überzeugen!
Der Kaiser. Trompeter, blast, dem Lästerer zum Tode!
(Trompetenstöße.)
Theobald (zieht). Und wäre gleich mein Schwert auch eine Binse, Und einem Griffe, locker, wandelbar, Von gelbem Wachs geknetet, eingefugt, So wollt ich doch von Kopf zu Fuß dich spalten, Wie einen Giftpilz, der der Heid entblüht, Der Welt zum Zeugnis, Mordgeist, daß du logst!
Der Graf vom Strahl (er nimmt sich sein Schwert ab und gibt es weg). Und wär mein Helm gleich und die Stirn, die drunter, Durchsichtig, messerrückendünn, zerbrechlich, Die Schale eines ausgenommnen Eis, So sollte doch dein Sarraß, Funken sprühend, Abprallen, und in alle Ecken splittern, Als hättst du einen Diamant getroffen, Der Welt zum Zeugnis, daß ich wahr gesprochen! Hau, und laß jetzt mich sehn, wes Sache rein?
(Er nimmt sich den Helm ab und tritt dicht vor ihn.)
Theobald (zurückweichend). Setz dir den Helm auf!
Der Graf vom Strahl (folgt ihm). Hau!
Theobald. Setz dir den Helm auf!