Kunigunde. Laßt, laßt!
Der Graf vom Strahl (hat sie auf einen Sitz geführt). Es geht vorüber?
Kunigunde. Das Licht kehrt meinen trüben Augen wieder.-Der Graf vom
Strahl. Was wars, das so urplötzlich Euch ergriff?
Kunigunde. Ach, mein großmütger Retter und Befreier, Wie nenn ich das? Welch ein entsetzensvoller, Unmenschlicher Frevel war mir zugedacht? Denk ich, was ohne Euch, vielleicht schon jetzt, Mir widerfuhr, hebt sich mein Haar empor, Und meiner Glieder jegliches erstarrt.
Der Graf vom Strahl. Wer seid Ihr? Sprecht! Was ist Euch widerfahren?
Kunigunde. O Seligkeit, Euch dies jetzt zu entdecken! Die Tat, die
Euer Arm vollbracht, ist keiner Unwürdigen geschehen; Kunigunde,
Freifrau von Thurneck, bin ich, daß Ihrs wißt; Das süße Leben, das
Ihr mir erhieltet, Wird, außer mir, in Thurneck, dankbar noch Ein
ganz Geschlecht Euch von Verwandten lohnen.
Der Graf vom Strahl. Ihr seid?—Es ist nicht möglich? Kunigunde Von
Thurneck?-Kunigunde. Ja, so sagt ich! Was erstaunt Ihr?
Der Graf vom Strahl (steht auf). Nun denn, bei meinem Eid, es tut mir leid, So kamt Ihr aus dem Regen in die Traufe: Denn ich bin Friedrich Wetter Graf vom Strahl!
Kunigunde. Was! Euer Name?—Der Name meines Retters?-Der Graf vom
Strahl. Ist Friedrich Strahl, Ihr hörts. Es tut mir leid, Daß ich
Euch keinen bessern nennen kann.
Kunigunde (steht auf). Ihr Himmlischen! Wie prüft ihr dieses Herz?