Nur sank, damit er stärker werde,
Fällst du von Neu’m ihn an.[12]
Die Fabel „die Bedingung des Gärtners“ entspricht in ihrer Fassung den beiden Fabeln, die 1808 im Phöbus erschienen.
In ganz anderem Ton ist das „Lehrbuch der französischen Journalistik“ gehalten. Obgleich die knappe Form dieser geschlossenen Reihe von Erklärungen, Lehrsätzen, Aufgaben und Beweisen der entfalteten Rede keinen Raum gestattet, so haben sich doch auch hier die Lieblingswendungen eingeschlichen. Es ist bekannt, welche Neigung Kleist für diese Darstellungsweise und den strengen Beweis hatte. Wie er zuerst meinte, seine Lebensaufgabe auf dem Gebiete der Mathematik gefunden zu haben, so ist er auch später, namentlich in den Briefen, geneigt, wo die Leidenschaft nicht durchbricht, seine Gedanken in streng logische Formeln zu bringen. Leider ist das Lehrbuch der Journalistik in 25 Paragraphen unvollständig. Wahrscheinlich hatte er es zu Ende geführt, doch sind die letzten Blätter verloren gegangen. Den obersten Grundsätzen und Definitionen folgt im Paragraph 10 die Eintheilung der Journalistik mit dem ersten Capitel: „Von der Verbreitung der wahrhaftigen Nachrichten“ in zwei Artikeln „von den guten und den schlechten Nachrichten“; ein zweites Capitel von der Verbreitung falscher Nachrichten mußte folgen, und dieses fehlt.
In dem „Katechismus der Deutschen“ hat Kleist die Einförmigkeit des katechisirenden Tons, in dem die Antwort das Echo der Frage ist, so zu beleben gewußt, daß er durchaus charakteristisch wird, und einzelne Redewendungen von Vater und Sohn an den dramatischen Dialog, etwa die einfachen Gegenreden Käthchens in der ergreifenden Scene mit ihrem Vater erinnern.[13] Auch andere Anklänge fehlen nicht. Die Schilderung des Erzfeindes findet an mehr als einer Stelle ihr Seitenstück. Sie lautet 7: „Als einen der Hölle entstiegenen Vatermörder, der herumschleicht in dem Tempel der Natur und an allen Säulen rüttelt, auf welchen er gebaut ist.“ Im Käthchen von Heilbronn schleudert der alte Theobald dem Grafen Strahl folgende Worte zu:
Ein glanzumflossener Vatermördergeist,
An jeder der granitnen Säulen rüttelnd,
In dem urewigen Tempel der Natur,
Ein Sohn der Hölle, den u. s. w.
In der Hermannsschlacht sind Raub, Brand und Mord ein „höllenentstiegener Geschwisterreigen“ und in dem Gedichte „Germania an ihre Kinder“ ist es „eines Höllensohnes Rechte“, die das eiserne Joch der Knechtschaft auferlegt. Im Katechismus 9 soll, wer weder liebt noch haßt, wenn es sich um die Freiheit des Vaterlandes handelt, in die tiefste, siebente Hölle, in der Hermannsschlacht der Verräther in die neunte Hölle stürzen. Dort wird die Frage verneint, ob nicht „das Blut vieler tausend Menschen nutzlos geflossen, die Städte verwüstet und das Land verheert worden sei“, wenn man im Kampf unterliege. In dichterischer Sprache wird derselbe Einwand abgewiesen „Germania und ihre Kinder“: