Die Erste.
Sie wischt sich eine Thräne ab.

Die Oberpriesterinn. (an Prothoes Busen zurück sinkend)
O Diana!
Welch eine Thräne!

Die erste Priesterinn.
O eine Thräne, du Hochheil'ge,
Die in der Menschen Brüste schleicht,
Und alle Feuerglocken der Empfindung zieht.
Und: Jammer! rufet, daß das ganze
Geschlecht, das leicht bewegliche, hervor
Stürzt aus den Augen, und in Seen gesammelt,
Um die Ruine ihrer Seele weint.

Die Oberpriesterinn. (mit einem bittern Ausdruck)
Nun denn—wenn Prothoe ihr nicht helfen will,
So muß sie hier in ihrer Noth vergehn.

Prothoe. (drückt den heftigsten Kampf aus. Drauf,
indem sie sich ihr nähert, mit einer immer von Thränen
unterbrochenen, Stimme)
Willst du dich niederlassen, meine Königinn?
Willst du an meiner treuen Brust nicht ruhn?
Viel kämpftest du, an diesem Schreckenstag,
Viel, auch viel littest du—von so viel Leiden
Willst du an meiner treuen Brust nicht ruhn?

Penthesilea. (sie sieht sich um, wie nach einem Sessel)

Prothoe.
Schafft einen Sitz herbei! Ihr seht, sie wills.

(Die Amazonen wälzen einen Stein herbei. Penthesilea läßt sich an Prothoes Hand darauf nieder. Hierauf setzt sich auch Prothoe)

Prothoe.
Du kennst mich doch, mein Schwesterherz?

Penthesilea. (sieht sie an, ihr Antlitz erheitert sich ein wenig)