Penthesilea. Als wer?

Die Oberpriesterinn.—Das Siegsfest sollte sich,
Das heißersehnte, deiner Jungfraun feiern!
War's nicht dein eigner Mund, der's so befahl?

Penthesilea.
Verflucht mir diese schnöde Ungeduld!
Verflucht, im blutumschäumten Mordgetümmel,
Mir der Gedanke an die Orgien!
Verflucht, im Busen keuscher Arestöchter,
Begierden, die, wie losgelaßne Hunde,
Mir der Drommete erzne Lunge bellend,
Und aller Feldherrn Rufen, überschrei'n!
Der Sieg, ist er erkämpft mir schon, daß mit
Der Hölle Hohn schon der Triumph mir naht?
—Mir aus den Augen!
(sie zerhaut die Rosenkränze)

Das erste Mädchen. Herrscherinn! Was thust du?

Das Zweite. (die Rosen wieder aufsuchend)
Der Frühling bringt dir rings, auf Meilenferne,
Nichts für das Fest mehr—

Penthesilea. Daß der ganze Frühling
Verdorrte! Daß der Stern, auf dem wir athmen,
Geknickt, gleich dieser Rosen einer, läge!
Daß ich den ganzen Kranz der Welten so,
Wie dies Geflecht der Blumen, lösen könnte!
—O Aphrodite!

Die Oberpriesterinn. Die Unseelige!

Die erste Priesterinn.
Verloren ist sie!

Die Zweite. Den Erynnien
Zum Raub ist ihre Seele hingegeben!

Eine Priesterinn (auf dem Hügel)
Der Peleïd', ihr Jungfrau'n, ich beschwör' euch,
Im Schuß der Pfeile naht er schon heran!