Achilles.
Wer bist du, wunderbares Weib?

Penthesilea. Gieb her.—
Ich sagte still! Du wirst es schon erfahren.
—Hier diese leichte Rosenwindung nur
Um deine Scheitel, deinen Nacken hin—
Zu deinen Armen, Händen, Füssen nieder—
Und wieder auf zum Haupt—so ist's geschehn.
—Was athmest du?

Achilles. Duft deiner süssen Lippen.

Penthesilea. (indem sie sich zurückbeugt)
Es sind die Rosen, die Gerüche streun.
—Nichts, nichts!

Achilles. Ich wollte sie am Stock versuchen.

Penthesilea.
Sobald sie reif sind, Liebster, pflückst du sie.
(sie setzt ihm noch einen Kranz auf die Scheitel und
läßt ihn gehn)
Jetzt ist's geschehn.—O sieh, ich bitte dich,
Wie der zerfloßne Rosenglanz ihm steht!
Wie sein gewitterdunkles Antlitz schimmert!
Der junge Tag, wahrhaftig, liebste Freundinn,
Wenn ihn die Horen von den Bergen führen,
Demanten perlen unter seinen Tritten:
Er sieht so weich und mild nicht drein, als er.
Sprich! Dünkt's dich nicht, als ob sein Auge glänzte?
Fürwahr! Man mögte, wenn er so erscheint, fast zweifeln,
Daß er es sei.

Prothoe. Wer, meinst du?

Penthesilea. Der Pelide!—
Sprich, wer den Größesten der Priamiden
Vor Trojas Mauern fällte, warst das du?
Hast du ihm wirklich, du, mit diesen Händen
Den flücht'gen Fuß durchkeilt, an deiner Axe
Ihn häuptlings um die Vaterstadt geschleift?
Sprich! Rede! Was bewegt dich so? Wes fehlt dir?

Achilles.
Ich bin's.

Penthesilea. (nachdem sie ihn scharf angesehen)
Er sagt, er sei's.